Selbstzerstörung, Drogenbeichte und musikalische Wonne: „Panikherz“ am Berliner Ensemble

Foto: Moritz Haase

Am morgigen Samstag, den 17. Februar 2018 feiert die Bühnenadaption von BENJAMIN VON STUCKRAD-BARRES Biografie Panikherz im Berliner Ensemble Premiere. Bei der Voraufführung am Valentinstag konnte man bereits in den Genuss dieses Cocktails aus Drogen, Bulimie und Musikleidenschaft kommen.

Zunächst fällt auf, dass das Bühnenbild schlicht gehalten ist. Im Hintergrund befindet sich eine reichlich gefüllte Bar, die eine Referenz zum Chateau Marmont Hotel in Los Angeles darstellt. Davor steht ein wuchtiger Sessel und bis zum Bühnenrand nach vorn breitet sich ein großer Teppich aus. Rechts und links davon sitzen Musiker*innen. Während das Stück immer hektischer wird, kommt auch Bewegung in die Szenerie und das Bild wird gefüllt mit herumfliegenden Kleidungsstücken, Visitenkarten sowie „Kokain“.

In 135 aufregenden Minuten bieten vier Schauspieler*innen eigene Interpretationen zur Person VON STUCKRAD-BARRE, während sich das Stück ähnlich wie das Buch chronologisch durch das Leben des Journalisten zieht. Vor allem die Mischung aus vier unterschiedlichen Personen, die alle dieselbe Figur karikieren,  bringt Lebendigkeit in die gelungene Inszenierung. Da VON STUCKRAD-BARRES Leben von Musik durchzogen ist, wird dieser Aspekt immer wieder aufgegriffen – das aber nicht nur durch die ständige Erwähnung seines großen musikalischen Idols UDO LINDENBERG, sondern durch zahlreiche musikalische Darbietungen des Ensembles. „Smells like teen spirit“ von NIRVANA lädt die Darstellenden zum Tanzen in der Hamburger Discozeit ein, „Asche zu Asche“ von RAMMSTEIN wiederum donnert bedrohlich in die Hochzeit des Drogenkonsums. Vor allem die wiederholten Zeiten der Rehabilitation von Kokain, Alkohol und Essstörung werden von den Schauspieler*innen in manischer Manier dargeboten. Besonders heraus sticht dabei CARINA ZICHNER mit einer improvisierten Passage, in welcher sie verschiedenste Medikamente und Drogen assoziativ mit Alltagsgeschehnissen verbindet.

Regisseur OLIVER REESE, der am Ensemble einen Fokus auf zeitgenössische Stücke legt, führte in das Schauspiel mit dem Hinweis ein, dass es bis zur Premiere noch einige mögliche Veränderungen geben würde. Texthänger bestätigten diese Mutmaßung und ließen zum Schluss darauf schließen, dass die Darstellenden nicht ganz zufrieden mit ihrer Leistung waren. Dennoch hieß es am Beginn des Theaterstückes „Das Meer ist in der Natur eindeutig der Punk“ und dieses Gelöbnis wurde mit der Inszenierung eingehalten. Eine Empfehlung für alle, die Musik lieben und die einen expliziten Einblick in ein drogendurchtränktes und bulimisches Leben nicht fürchten.

Panikherz ist ab dem am 17. Februar 2018 am Berliner Ensemble zu sehen.

BENJAMIN VON STUCKRAD-BARRE
Panikherz | Gebundene Ausgabe | 576 Seiten
(Kiepenheuer&Witsch)
VÖ: 10.03.2016

www.stuckradbarre.de

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