Subway To Sally – Kreuzfeuer

Subway To Sally - Kreuzfeuer

Wo führt es Mr. FISH und sein halbes Dutzend hin, weg vom Mittelalter? Stillstand und Ordnung – Fehlanzeige. Das neue Kreuzfeuer glänzt rockig und gefällig. Es ist fokussierter als der Vorgänger Bastard, der Sound knackiger.

Zu der Bandschar gehören nach wie vor neben dem singenden Weißschopf ERIC FISH: die Gitarristen BODENSKI, SIMON und INGO HAMPF, Bassist SUGAR RAY, Violinistin Frau SCHMITT und Schlagzeuger SIMON MICHAEL. Die meisten verfügen auch über die Fähigkeiten, ein mittelalterliches Instrument zu spielen und als Chor in den Gesang FISHS einzustimmen.

Der spröde Auftakt ‚Aufstieg‘ thematisiert mal wieder die Band-Geschichte. „Wir folgen keinem Pfad“? Naja. Das Ganze ähnelt MEGAHERZENS ‚Himmelfahrt‘, so wie man das lyrische Thema von ‚Die Jagd Beginnt‘ schon von RAMMSTEINS ‚Du Riechst So Gut‘ kennt, und die Single ‚Besser Du Rennst‘ könnte auch von SCHANDMAUL stammen.

Interessant wird es bei ‚Judaskuss‘. Wirbelnde Gitarren und der stimmlich geschliffene FISH untermalen eine uralte Geschichte: Gnostische und häretische Sekten wie die Kainiter verehrten den Jünger Judas als Christi Erfüllungsgehilfe. FISH intoniert, als wär‘s ein Gebot des Rabbi gewesen: „Küss mich!“ Wenn man davon ausgeht, dass Menschen nicht in die Zukunft sehen oder die Gedanken ihrer Freunde erraten können, ist ein Befehl die plausibelste Erklärung für den Verrat. Die Kirche lehnte aber Mord als Mittel kategorisch ab und betonte den freien Willen des Menschen Judas (Matt. 26.25), der vom Teufel verführt wurde (Joh. 13.27). Auch Jesus kann dann nicht als Selbstmörder gelten (Mark. 14.36).

Überhaupt verstanden es SUBWAY TO SALLY immer wieder, ihre Fans in Überlegungen mitzunehmen, die gar nicht so eindeutig sind, wie es Christen und Satanisten behaupten. Bei der Ballade ‚Angelus‘ fragt man sich, ob da von einem religiösen oder einem amourösen Erlebnis berichtet wird. Und das kaum ironische ‚Vater‘ zeigt das alte Beziehungsthema Vater-Ödipus und Gott-Mensch.

Bei den Balladen wurden vielleicht weniger Melodien verwand als bei Bastard, dafür aber treffender eingesetzt. Da kommen bei ‚Versteckt‘ echte Liedermacher-Qualitäten auf. Auch gutes Songwriting besitzt das mit orientalischen Klängen und Flöten versetzte ‚Krähenkönig‘, in dem sich FISH einmal mehr als Märchenonkel versucht. Der Tiefpunkt der Platte dagegen ist das Feature ‚Komm In Meinen Schlaf‘. Wer EISBLUME schon wegen dem Cover von ‚Eisblumen‘ gehasst hat, wird auch hiermit nicht klarkommen.

Die feste Anhängerschaft der Band wird bemerken, dass seit Bastard vom Mittelalter kaum mehr als Texte, Chöre und Geige übrig geblieben ist. Das wird sie erst mal aber noch nicht vertreiben.

SUBWAY TO SALLY
Kreuzfeuer
(Nuclear Blast)
VÖ: 27.03.2009

www.subwaytosally.com
www.myspace.com/subwaytosally

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