SURALIN – Leda


Was Karl May, Knetmasse und die griechische Mythologie miteinander verbindet. (Oder auch nicht.)



[red]Update: SURALIN am Samstag, 01.10.2011 live im Lovelite (Berlin-Friedrichshain, Simplonstr. 38/40, S-Bhf. Ostkreuz, S/U-Bhf. Warschauer Str.) w/ THIS LOVE IS DEADLY[/red]

Für Kenner der griechischen Mythologie ist es ein alter Hut: Leda, Tochter des Thestios und der Eurythemis, war die Frau, die von Zeus, in der Gestalt eines Schwans, verführt und geschwängert wurde. Und wer in der DDR aufgewachsen ist, kennt Suralin. Jene Knetmasse, die – ähnlich dem westdeutschen Pendant Fimo – relativ leicht formbar ist und im Backofen ausgehärtet werden kann. Mythologie und Knetmasse, Schwäne und Musik – wie geht das zusammen? Vielleicht gar nicht; vielleicht aber spielt die Namensgebung auch bewusst mit der Wechselwirkung von Alt und Neu, Antike und Moderne. Der Geschichte(n) nicht genug, stammt die Band SURALIN ausgerechnet aus dem sächsischen Hohenstein-Ernstthal, dem Geburtstort von Karl May. Und der war ja bekanntlich einer der erfolgreichsten Autoren von Trivialliteratur ever. Die Lateiner unter uns wissen, dass der Begriff trivialis in seinem Ursprung nicht auf seine heutige Bedeutung im Sinne von alltäglich oder gar belanglos, sondern auf trivium zurückzuführen ist: Die Kreuzung dreier Wege.

Das Trivium von SURALIN könnte man nun beispielsweise mit folgenden Worten beschreiben: Gitarre(n), Schlagzeug, Bass. Oder: Sonic Youth, Gang Of Four, Fugazi. Vielleicht auch: Interpol, Bloc Party, Editors. Vor allem aber entspricht das Debütalbum Leda den drei Attributen: mitreißend, kantig und eingängig zugleich. SURALIN bewegen sich mit ihrer gerade einmal einjährigen Bandhistorie erstaunlich versiert und geschmackssicher im weiten Feld von Indierock, Postpunk und Postrock. Da sind einerseits Songs mit wunderbar knarzigem Sprechgesang wie beim funkigen, rauhen Opener ‚Holy Dancer‘ oder bei ‚Dada Tic‘, auf der anderen Seite die ungeschliffenen und doch glasklar-hittigen ‚Time Is Timeless‘ oder ‚Hit And Run‘. Überbordende Kreativität und die hohe Kunst des Postrock dann beim fantastischen Instrumental ‚Golden‘.

Man kann ALEXANDER WARNKE (guit, voc), TONI FIEGERT (guit, voc), STEVE LÖSSNER (drums) und MATTHIAS VOGEL (bass) vielleicht vorwerfen, dass sie bei den maßgeblichen Bands der 80er und 00er Jahre ein wenig abgeschrieben haben – und um zurück zum Suralin zu kommen: die ganze Masse ordentlich durchgeknetet, dabei kräftig das Feuer im Ofen angeheizt haben, um schlussendlich ein formschönes bzw. klangvolles Produkt in den Händen zu halten. Wie sie allerdings die Grundelemente aus klassischem Indierock, sperrigem Noiserock und grandiosem Shoegaze-Sound miteinander kombinieren und zudem mit eigenen Innovationen versehen, verdient uneingeschränkten Respekt.

SURALIN
Leda
(Sweet Home Records/Broken Silence)
VÖ: 23.07.2010

www.myspace.com/suralinmusik
www.sweethomerecords.com
www.tumbleweedrecords.de

Autor: [EMAIL=jana.wittig@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Jana Wittig[/EMAIL]

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