Sven van Thom | „Mein Lieblingsjahrzehnt sind natürlich die 60’s. “

Musiker SVEN VAN THOM hat sich für 2026 wieder viel vorgenommen: Tour zum neuen Soloalbum, Kinderlieder-Konzerte und Comedy-Lesungen. Obendrein ist da noch die Verantwortung als Vater einer fünfjährigen Tochter.

Du bist 2020 aus der Hauptstadt weggezogen und hast dich in Hessen niedergelassen. Vermisst du Berlin gar nicht?

Ich bin ja eigentlich im Grünen aufgewachsen, in Wandlitz. Dann habe ich 20 Jahre in Berlin gelebt und hatte eigentlich schon nach 15 Jahren genug von der Hektik und dem Dreck. Als ich vor fünf Jahren wegen der Liebe in den Taunus gezogen war, war ich selbst erschocken, wie wenig ich die Großstadt vermisse, naja vielleicht ein wenig das kulturelle Angebot.

Glückwunsch zum Kinderliederpreis 2023! Wie bist du denn in diese Schiene reingerutscht?

Nun, ich hatte mir schon länger überlegt, dass ja meine Musik für Erwachsene eigentlich auch mit kindgerechten Texten funktionieren würde. Dann kam 2015 die erste Unter Meinem Bett raus und ich dachte: “Wow, endlich ordentliche Lieder für Kinder.” Ich habe mich ein Wenig über-ambitioniert gleich mit zwei Songs für den dritten Sampler beworben. FRANCESCO WILKING (DIE HÖCHSTE EISENBAHN, TELE), der den Sampler damals kuratierte, und die Plattenfirma fanden das super, und so entstand gleich mein erstes Kinderliederalbum Tanz Den Spatz (2018). 2021 kam das nächste und ein drittes ist in Planung. Mir macht das nicht nur Spaß, sondern bringt ganz neue Erlebnisse: Wenn mir Kinder bei Konzerten gemalte Bilder von mir schenken, das ist doch herzallerliebst.

Im Sommer startet nebenbei das neue Programm “Es klatscht gleich” von deiner und GOTTIs Actionlesung Tiere Streicheln Menschen. Wie schaffst du das alles?

Gestresst sein und einfach machen. Die Auftritte mit Gotti sind allerdings entspannter und auch lustiger als Solokonzerte. Nur müssen sie gut vorbereitet sein. Die Tour wird meist ein Jahr vorher geplant, und wir haben gar kein gemeinsames Konzept, bis auf einen Titel für das neue Programm. Bis Mitte Mai schreibt jetzt jeder für sich seine Parts und dann ist die Premiere für uns beide auch das erste Mal, wo wir hören, was der andere Neues geschrieben hat.

Deine letzte Soloplatte Liebe & Depression (2021) war ja ein Konzeptalbum. Das neue Album Ins Gras ist deutlich fröhlicher geworden, obwohl es viel um die eigene Vergänglichkeit geht. Wie kommt das?

Ich bin immer wieder erstaunt, dass der Tod nach wie vor so ein Tabuthema in unserer Gesellschaft ist. Ich kenne Leute, die wirklich Angst vorm Sterben haben. Das wollte ich zum Beispiel mit dem Titelsong umdrehen: Gut, dass alles irgendwann mal endet! Klar, du und ich, wir alle müssen irgendwann sterben. Aber so gefährliche Honks wie Trump und Putin eben auch – das macht die eigene Vergänglichkeit doch viel erträglicher.

Ist „Staubsaugerarm“ nun eine Verbeugung vor Dark Wave oder eine Veralberung?

Auf jeden Fall letzteres. Das elende 80er-Revival begann in den 2000ern mit Bands wie MIA. und hat ja gefühlt nie aufgehört. Nun gut, ich hatte mit 13 Jahren auch mal eine THE CURE-Phase. Aber der 80’s-Mucke konnte ich sonst nie was abgewinnen. Mein Lieblingsjahrzehnt sind natürlich die 60s.

Auffällig sind mehrere neue Duette wie „Lied Für Dein Gebrochenes Herz“ mit SUZIE KERSTGENS (KLEE)…

Wenn ich könnte, hätte ich schon längst ein Duettalbum herausgebracht! Über Suzies Zusage habe ich mich sehr gefreut. Vor meinem Umzug in den Taunus, habe ich sieben Jahre lang im BERLINER KNEIPENCHOR mitgesungen und bei zwei Auftritten hat der Chor Klee live begleitet. Da haben wir uns kennengelernt. Sie ist ein wunderbarer, herzlicher Mensch. Bei Unter Meinem Bett-Konzerten haben wir uns wiedergetroffen und da habe ich sie einfach mal um ein Feature gebeten.

Mit „Der Life-Coach“ hast du sogar wieder etwas Gesellschaftskritik dabei.

Ja, das schwingt in mehreren Lieder mit. Den „Life-Coach“ habe ich allerdings geschrieben, weil mich diese ganze dämliche Werbung auf YouTube aufgeregt hat, mit der mir irgendwelche selbsternannten Finanz-Gurus ihren Quatsch andrehen wollen. Ich dachte: „Das glaubst du dir doch selber nicht! Wen willst du hier deine 800 Euro-Kurse verkaufen? Du bist doch auch nur ein armes Würstchen wie ich, das sich das Büro oder die Villa, in denen du dich filmst, nur angemietet hat und so tut, als würde alles dir gehören!“

Viel Erfolg für die ganzen Auftritte in diesem Jahr!

Danke schön!

 

www.svenvanthom.de

Foto © Peter Vyge

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