THE AMERICAN ANALOG SET am 06.09.2005 im Magnet Club


Die Band aus Austin/Texas kultiviert seit Jahren ihren ganz eigenen Lo-Fi- und Postrock-Sound. Funktioniert das eigentlich auch live?



Über zehn Jahre mit sechs Alben und zahlreichen Eps und Singles haben sich THE AMERICAN ANALOG SET mit einer ganz eigenen Mixtur aus Post-, College- und Krautrock eine solide Fanbase erspielt, wie einem am proppevollen Magnet Club wieder mal eindrucksvoll vor Augen geführt wurde. Natürlich setzte man trotz der bekannt zurückgelehnten Intimität auf ihrem neuen Album hohe Erwartungen in den Auftritt der mit gehörigen Vorschusslobeeren bedachten Band um Sänger und Gitarrist ANDREW KENNY.

Insbesondere war man darauf gespannt, inwieweit der ja immer etwas getragen-monotone Sound auf der Bühne päsentiert werden und ob dem Live-Set auch mal Raum für Überraschendes und eventuell gar stärkere Rock-Ansätze eingeräumt werden würde.
Um es gleich vorwegzunehmen: Letzteres sollte doch eher wenig bis gar nicht stattfinden, denn nach dem Support der Belgier von THE GO FIND, die mit zwei-gitarrigen, elektronisch verstärkten Stücken zwischen Notwist und Deus zu überzeugen wussten und auch vor lärmenden Ausbrüchen nicht zurückschreckten, setzten THE AMERICAN ANALOG SET dann doch von Beginn an etwas zu sehr auf eine allzu entspannte ton- und soundgetreue Reproduzierung ihrer Studioversionen, insbesondere der zahlreichen Songs des schönen neuen Albums Set Free.

Die von ANDREW KENNY meist lediglich gehauchten Vocals und die relativ zurückgenommene Instrumentierung mit Keyboard und Glockenspiel haben auf Platte natürlich absolut ihre Berechtigung, doch live wünschte man sich trotz der sicherlich nicht zu bestreitenden Qualität der Songs zumindest dann und wann etwas mehr Spontanität und Variationen im Sound, so kam das alles doch oftmals etwas zu ruhig und routiniert rüber, manchmal erinnerte es auch an Stereolab in Zeitlupe.

Wenn dann gelegentlich auch endlich einmal etwas mehr Fahrt aufgenommen wurde und von der ansonsten vorwiegend dezent angeschrubbten Gitarre auch mal kurzzeitig lautere Rock-Töne – im spezifischen Band-Kontext, versteht sich – angeschlagen wurden, wurde das vom über die insgesamt gut 80 Minuten wohlwollend lauschenden Publikum sogleich fast orgiastisch goutiert, während sich zwischendurch nach dem ersten Spannungs-Abflauen doch so einige immer mal wieder zurück in kühler temperierte Gefilde im und außerhalb des Clubs verzogen, da sie wohl auch nicht so recht einsahen, warum sie sich trotz des doch überwiegend gemächlichen Treibens auf der Bühne infolge der Fülle wie bei einem ekstatischen, schweißtreibenden Punk-Konzert fühlen sollten.

Unterm Strich ein etwas zwiespältiger Auftritt von einer sympathischen Band mit schöner Musik, die aber vielleicht doch eher etwas für den heimischen CD- oder MP3-Player ist.

www.amanset.com
www.morrmusic.com

Autor: [EMAIL=thomas.stern@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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