THE BLACK KEYS – Attack & Release


„Die Kunst ist zu wissen, wann etwas zuviel wird.“



Mit diesem schlauen Satz hat Jack White einmal die kleine Besetzung seiner Band The White Stripes gerechtfertigt. Damit wollte er wohl so etwas sagen wie „Zu viele Köche verderben den Brei“ – ein Motto, das auch für das Duo Auerbach und Carney aka THE BLACK KEYS gelten dürfte. Während die Weißen allerdings inzwischen eine große Nummer sind, lässt der kommerzielle Erfolg bei den Schwarzen noch auf sich warten. In jüngerer Zeit verdichten sich freilich die Anzeichen, dass sich daran bald etwas ändern könnte: So wurde unlängst ein BLACK KEYS-Song für eine Handy-Werbung verwendet, ein weiterer schaffte es auf den Soundtrack des Bob Dylan-Films „I’m not there“. Und in Kritikerkreisen hat sich die Band aus dem Bundesstaat Ohio ohnehin längst einen Namen gemacht.

Warum das so ist, bezeugt einmal mehr das neue Album Attack & Release, mit dem das Duo einen großen Schritt heraus aus der Garage vollbringt. Produzent Danger Mouse (Gorillaz, Gnarls Barkley) verwebt kunstvoll Country-Gitarren, Handclaps, Orgel und Querflöte in die vormals so spartanischen Songs und verleiht diesen dadurch einen ganz neue Note. Zwar nutzen THE BLACK KEYS weiterhin die Vorteile der Duo-Besetzung, bewahren sich Unmittelbarkeit, Ehrlichkeit und Leidenschaft. Klanglich aber kann von Reduktion keine Rede mehr sein. Der Sound ist insgesamt deutlich definierter und ausgewogener als je zuvor, und nur selten offenbart sich noch die Rohheit der früheren Alben (‚Remember When‘, ‚Strange Times‘).

Die musikalischen Wurzeln der BLACK KEYS liegen hörbar in den Siebzigern – Jimmy Hendrix, Led Zeppelin, Jethro Tull lassen grüßen. Dazu kommen eine dicke Portion Southern Blues sowie Anklänge an Black Rebel Motorcycle Club und – na klar – die White Stripes. Allerdings hört sich Attack & Release eher so an, als spiele man eine White Stripes Single auf 33 Umdrehungen. Denn die Songs kokettieren nicht mit poppigen Mustern, versprühen eher Südstaaten-Relaxtheit statt die NYC-Yankee-Coolness, eher Blues statt Rock, Whiskey statt Alkopop und Harley statt Cadillac. Wem das das insgesamt zu unmodern und unaufgeregt ist, dem sei entgegengehalten: Die Kunst ist, zu wissen wann… – ach das hatten wir ja schon.

THE BLACK KEYS
Attack & Release
(Cooperative / Universal)
VÖ: 28.03.2008

www.theblackkeys.com
www.myspace.com/theblackkeys

Autor: [EMAIL=arne.wellding@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Arne Wellding[/EMAIL]

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