THE BLACK KEYS – Brothers


Nach Ausflügen wieder bei sich selbst angekommen.



Nach vier Alben bis zum Rand mit fuzzigem Garage-Rock gefüllt, hatte es 2008 auf einmal den Anschein, THE BLACK KEYS wollten nicht mehr THE BLACK KEYS sein. Für einen neuen Masterplan wurde der umtriebige DANGERMOUSE gewonnen, um Attack & Release zu produzieren. Die Platte klang trotz alledem ziemlich wie seine Vorgänger, lediglich angereichert mit einigen Finessen aus der Produktions-Zauberkiste – also ging’s zurück ans Reißbrett.

Ein Soloalbum war danach ein weiterer Versuch von Schreiber, Sänger und Gitarrist DAN AUERBACH, eine neue Richtung einzuschlagen. Letztes Jahr erschien sein Keep It Hid, und abgesehen von ein paar kurzen Ausflügen in noch psychedelischere Gefilde, klang es… wie THE BLACK KEYS.

Was nun? Ein Rap-Album? Klar, um den Jahreswechsel herum erreichte uns dann BLAKROC, mit illustren Gästen wie MOS DEF, RZA und RAEKWON, die über denselben fuzzigen THE BLACK KEYS-Sound rapten. Freilich klang das anders als bisher, aber bestimmt nicht wegen den Beiträgen von AUERBACH und PATRICK CARNEY (die andere Hälfte der KEYS).

Das könnte man alles nun falsch verstehen und meinen, dass diese drei Alben keine gute Musik enthalten hätten. Ganz im Gegenteil, die drei LPs sind großartige Rundumschläge aus schmierigem, wirrem Rock, voll gepackt mit Songs, die mit den alten Blues-Clichés von ruchlosen Frauen und Gesetzeslosen Schindluder treiben. Und auch diese drei mehr oder weniger Exkurse trugen ihren Teil dazu bei, THE BLACK KEYS als einzige ernstzunehmende Herausforderer zu etablieren, die an JACK WHITEs Thron als Amerikas Häuptling des Vintage-Rock’n’Roll rütteln könnten.

Nun wieder unter Eigenregie, hat man den Eindruck, dass AUERBACH und CARNEY erkannt haben, dass sie den Matsch nicht wirklich abklopfen können und entschieden haben, sich lieber ordentlich drin zu suhlen. Brothers ist ihr nun sechstes Studioalbum geworden, und man begegnet auf ihm THE BLACK KEYS, die die Lehren dieser drei genannten Experimente verdaut und sie mit ihrem alten Rezept bestehend aus Gitarre, Drums und kratziger Stimme verbunden haben.

Der Soul tropft aus den Bläser- und Streicher-Samples, die unter dem JERRY BUTLER-Cover ‚Never Gonna Give You Up‘ fließen. Es ist ein Song voll Verlangen und Reue, der durch übliche struppige Produktion der THE BLACK KEYS gejagt wurde.

An anderer Stelle steht ‚The Go Getter‘. Mit seinen dahin gespuckten, surrealen Lyrics über „mashed potatoes in cellophane“ und „pretty girls in bobby socks“ treibt es über veredelte Beats und schnodderigen Surf-Gitarren. Es ist womöglich das seltsamste Ungeheuer auf der Platte. Bedrohlich krabbelt es in der Mitte des Albums umher, erst bei mehrmaligem Hören seine Eigenartigkeit enthüllend.

Falls man einen unterschwelligen Einfluss auf Brothers als Ganzes ausmachen kann, wäre das wohl die Örtlichkeit, an dem die Produktion stattfand. Die Band zog ihrer Heimat Ohio das berühmte Muscle Shoals Sound Studio in Alabama vor. Das Duo hat dort scheinbar den Sinn für die soulige Trägheit gefunden. So auch in ihren konventionelleren Songs wie beispielsweise der Die-Frau-hat-mir-Übel-mitgespielt-Schaukler ‚Ten Cent Pistol‘ oder das Klagelied ‚Unknown Brother‘. Da existiert diese reduzierte Schönheit auf der Platte, die eingefangen wird, bevor es zu ehrerbietig ausschweift.

Brothers legt es darauf an, die Perle der traditionellen Rockalben dieses Jahres zu werden, vielleicht ist es eine Spur zu lang geworden. Nachdem THE BLACK KEYS sich ihrem Sound erst entfremdet haben, sind sie nun weiser zu ihm zurückgekehrt – der Kreis hat sich geschlossen.

THE BLACK KEYS
Brothers
(V2 / Cooperative Music / Universal Music)
VÖ: 21.05.2010

www.theblackkeys.com
www.myspace.com/theblackkeys
www.v2music.com

Autor: [EMAIL=alexandra.wolf@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der
Website]Alexandra Wolf[/EMAIL]

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