THE BLOOD BROTHERS – Young Machetes


„Fire! Fire! Fire!“



So wenig originell der diese Rezension einleitende, dem Album-Opener entliehene Teaser, umso origineller und in gewissem Sinne auch wieder innovativer kommen die fünf Seattler Rockerneuerer auf ihrem mittlerweile fünften Album daher.
War der Vorgänger Crimes stellenweise von einer für ihre Verhältnisse ungewohnten Eingängigkeit geprägt, geht es auf ihrem neuen Album doch wieder deutlich hektischer und ruppiger zu, werden die bekannten Versatzstücke aus Metal, Punk und Hardcore wieder einmal besonders ausufernd zu einem vor ekstatischer Energie nur so strotzenden organischen Ganzen verzahnt und quasi im Vorbeigehen gerne wieder dekonstruiert.

Mit dem Opener ‚Set Fire To The Face On Fire‘ setzt es gleich mal den K.O.-verdächtigen Schlag ins noch entspannte und unverzerrte Gesicht, dessen Züge sich nach kurzer Verkrampfung und Eingewöhnungszeit dann aber auch schnell wieder entspannen, schließlich verstehen es die BLOOD BROTHERS wie derzeit kaum eine andere Band, explosive Härte mit musikalischem (und ideologischem) Anspruch zu vereinen und Wut und Leidenschaft derart adäquat zu vertonen.

Natürlich sind die BLOOD BROTHERS auch anstrengend, was zum einen an meinen sensiblen und von Indierock und -pop verwöhnten Lauschern liegen mag, zum anderen natürlich in erster Linie an dem charakteristischen, fahrig-hysterischen Gekreische von Sänger JORDAN BLILIE, das allerdings mit tatkräftiger Unterstützung von Sänger No. 2, JOHNNY WHITNEY, oft genug auch als wirklicher Gesang durchgeht.
Retardierende, tempoverschleppende und auf hohem musikalischen Niveau umgesetzte, ja teilweise gar episch angelegte (Keyboard-) Passagen mit atemberaubend anmutenden Richtungswechseln und ungemein melodiöser Verträglichkeit sorgen überdies immer wieder für die dringend erforderlichen Erholungspausen zwischen all den brachialen Punkcore-Eruptionen.

Mit Young Machetes legen die BLOOD BROTHERS ein wie immer mehr als mächtiges Album vor, das sich durch einen irren Facettenreichtum auszeichnet und zudem noch viele richtige Songs und Melodien in petto hat, die es in diesem lärmigen und stets funkensprühenden Gewusel natürlich zu entdecken gilt. In der Ruhe liegt hier aber definitiv nur sehr selten die Kraft.

THE BLOOD BROTHERS
Young Machetes
(Wichita/ Cooperative Music/ Rough Trade)
VÖ: 17.11.2006

THE BLOOD BROTHERS am 10.02.2007 live in Berlin/ Postbahnhof

www.thebloodbrothers.com
www.wichita-recordings.com
www.cooperativemusic.de

Autor: [EMAIL=thomas.stern@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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