THE DEARS – Gang Of Losers


Kanadische Indiehelden mit dem Mut zur melodramatischen Geste.



Mit ihrem zweiten Album wurde die Band aus Montreal um Frontmann und Songwriter MURRAY LIGHTBURN, die in ihrer Heimat bereits seit Ende der 90er unterwegs ist, auch in Europa ein Begriff.
Entdeckt von ex-Cocteau Twin Simon Raymonde, wurde das zweite DEARS-Album No Cities Left auf dessen Label Bella Union veröffentlicht und erntete nicht nur in England bei Fans und Presse hervorragende Kritiken.
Im Zuge der Veröffentlichung von No Cities Left in weiteren Ländern war die Band nahezu drei Jahre auf Tour, um erst dann wieder die Zeit für Songwriting und Aufnahme des nun vorliegenden dritten Albums Gang Of Losers zu finden.

Unter der Prämisse, im Gegensatz zu den gerne mal ausufernden, schon mal achtminütigen (Lärm-) Epen der Vorgängeralben den Fokus diesmal verstärkt auf kompakte Songs unterhalb der Fünf-Minuten-Grenze zu legen, setzen MURRAY LIGHTBURN und seine Mitstreiter dieses Vorhaben auf dem neuen Album nun auch in der Tat mit, so scheint’s, beeindruckender und spielfreudiger Leichtigkeit um.
Nahezu durchweg wohnt den Songs eine britische Melodramatik und Schwelgerei inne, wie man sie früher beispielsweise von den Smiths oder Suede kannte und die heutzutage an Bands wie Elbow oder Doves denken lässt. Gepaart mit nach wie vor auch nicht zu leugnenden amerikanisch-kanadischen Einflüssen zwischen REM, Buffalo Tom oder Arcade Fire insbesondere auf der ersten Albumhälfte, kommt die Band aus Montreal perfektem Indiepop schon beeindruckend nahe.

Auffällig ist, dass sich THE DEARS auf Gang Of Losers zunächst noch mit sowohl wunderschön im Vordergrund stehenden „klassischen“ als auch hier und da sperrigen Indiegitarren verstärkt an den Sounds und (eher episch ausgebreiteten) Songs ihrer ersten Alben orientieren (‚Ticket To Immortality‘, ‚Hate Then Love‘, ‚Bandwagoneers‘), um sich danach fast unmerklich, dann allerdings umso zügiger in eine andere, eingängigere und transparentere Richtung zu bewegen.
So dominiert in Songs wie ‚Fear Made The World Go Round‘ oder ‚You And I Are A Gang Of Losers‘ eine luftig-leichte Keyboard- bzw. Piano-Untermalung, während in ‚Whites Only Party‘ gar flott Rock’n’Rolliges auszumachen ist.
Allen Songs auf dem Album gemein ist die fordernd-ausdrucksstarke, dem Ganzen oftmals den leidenschaftlich-melodramatischen Anstrich verpassende und den Songs immer wieder das gewisse Etwas überstülpende, an Damon Albarn, Paul Weller und manchmal gar Morrissey erinnernde Stimme von LIGHTBURN, die sich in den ganz besonders ekstatischen Momenten schon mal gefährlich schrill nach oben schraubt, um dann nach einigen gewagten Überschlägen schließlich wieder auf sicherem Terrain zu landen.

THE DEARS ist ein fantastisches Album mit großem Indiepop und jeder Menge vorzüglicher Songs gelungen, auf dem sie auf der Basis ihres bisherigen musikalischen Ansatzes nunmehr mutig neue Wege beschreiten.

THE DEARS
Gang Of Losers
(Bella Union/ Cooperative Music/ Rough Trade)
VÖ: 25.08.2006

THE DEARS am 03.11.06 live in Berlin/ Mudd Club.

www.thedears.org
www.bellaunion.com
www.cooperativemusic.com

Autor: [EMAIL=thomas.stern@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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