THE DIVINE COMEDY am 13.08. 2004 im Columbia Club

Vorhang auf für einen göttlichen Auftritt…

Nach dem überraschend in Britpop-Gefilden wildernden Major-Debüt Regeneration vor gut drei Jahren trennte sich Mastermind NEIL HANNON von seiner langjährigen Begleitband, um auf dem aktuellen Album Absent Friends zu seinen musikalischen Ursprüngen zurückzukehren und wieder ungeniert einem hemmungslos opulent-orchestralen (Songwriter-) Pop im Geiste seiner Vorbilder SCOTT WALKER und BURT BACHARACH zu frönen.

So konnte man wirklich gespannt sein, wie HANNON insbesondere die Songs des aktuellen Albums auf der Bühne umsetzen würde und ob er gar mit kleiner Orchester-Begleitung (wie bereits geschehen) aufkreuzen würde. Doch genau das Gegenteil war schließlich der Fall, eher musikalisches Kammerspiel denn pompöses, orchestral verstärktes Rockkonzert, ließ sich HANNON (selbst meist am E-Piano/Keyboard) lediglich von zwei Musikern an (Stand-) Bass und Gitarre/Banjo unterstützen, was zunächst erst einmal etwas verblüffte, dem Ganzen aber natürlich einen ganz speziellen Charakter verlieh.
Sichtlich vom Andrang im nahezu ausverkauften Columbia Club überrascht („I’ve never been big in Germany“), sollten HANNON und Co eine perfekte Aufführung aus komödienhafter Unterhaltung, Melodramatik und Pop bieten, die ihren unbedingt unterhaltsamen Charakter auch aus dem abwechslungsreichen Aufbau der Show bezog, die trotz der eher spartanischen, meist akustisch gehaltenen Instrumentierung zu keinem Zeitpunkt langweilig oder vorhersehbar anmutete.

Klar, angesichts der sehr theatralisch und melodramatisch angehauchten, sich oftmals erst langsam steigernden Songs vor allem des aktuellen Albums freute man sich dann gerade live schon über eine immer wieder zwischengeschobene Tempoverschärfung. Wenn also auf den gefühlvoll-getragenen Opener ‚Sunrise‘ schon gleich zu Beginn die wunderbar schwungvolle Single ‚Come Home Billy Bird‘ folgte, ein Banjo für Country-Feeling oder auch mal eine fette E-Gitarre für die an diesem Abend äußerst seltenen klassischen Rock-Momente sorgte (‚I was Born Yesterday‘).
HANNON unterhielt die Fans auf sympathische und charmante Art mit herrlicher (Selbst-) Ironie, gab amüsante Anekdoten zum Besten und erzählte Stories zur Entstehung der Songs (‚The Happy Goth‘) oder imitierte LEMMY von MOTÖRHEAD, als er vom Keyboard zwischenzeitlich mit Gitarre ans zu hoch eingestellte Mikro des zweiten Gitarristen wechselte und kurz ‚The Ace Of Spades‘ ansang.

Neben älteren ‚Hits‘ und vor allem zahlreichen Stücken von Absent Friends gab es ganz im Sinne einer spannungsreichen Aufführung natürlich auch Überraschendes und Kurioses, als beispielsweise gegen Ende des regulären Sets eine famose Coverversion von ‚No One Knows‘ der QUEENS OF THE STONE AGE („We like heavy rock…“) in einem herrlichen „Kurt Weill-Style“ die Energie dieses Songs trotz völlig anderer Instrumentierung bestens wiedergab, oder im Zugabenteil auf (von HANNON geforderten) Zuruf des Publikums Coverversionen von ‚Dancing Queen‘ und ‚Tainted Love‘ ganz im DIVINE COMEDY-Stil kurz angespielt wurden (NENAs ’99 Luftballons‘ blieb dagegen trotz größter Bemühung im Ansatz stecken).

Insgesamt lieferten THE DIVINE COMEDY einen äußerst unterhaltsamen und musikalisch anspruchsvollen Auftritt im bestens besuchten Columbia Club und wahrten dabei glücklicherweise eine hervorragende Balance zwischen ernsthaft-melancholischen Stücken, schmissigen Pop-Rock-Nummern sowie nicht erwarteten und kuriosen, vielleicht dem Komödienhaften im Bandnamen Tribut zollenden (Cover-) Songs, ohne allerdings auch nur ansatzweise ins Klamaukhafte oder allzu Anbiedernde abzudriften. Ein großartiger und fast göttlicher Auftritt!

http://www.thedivinecomedy.com
http://www.karreraklub.de

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