THE INNITS – Berliner Act des Monats September 2009


Zwischen den Stühlen.



Die von Mastermind Mek Obaam (u.a. Schneider TM, Barbara Morgenstern, The Boggs) gegründeten INNITS haben im August dieses Jahres ihr zum Teil in der Abgeschiedenheit schwedischer Wälder aufgenommenes zweites Album erneut auf dem Hamburger Label Sunday Service veröffentlicht. Zwar docken sie damit ebenso selbstverständlich wie selbstbewusst an den schillernden Rock’n’Roll und geschmeidige Indiepop-Leichtigkeit lässig vereinenden Erstling Everything Is True von 2007 an, doch setzen sie auf On The Fence nunmehr eine Spur nachhaltiger auf transparente Reduktion und deutlicher akzentuierte Folk-Anleihen, ohne natürlich gänzlich auf aufgeraute Zwischentöne und Widerhaken in einem ansonsten gerne mal von schwelgerischen 60s-Harmonien bestimmten Klangbild zu verzichten.

Kurz bevor das Quartett um den singenden und trommelnden Songwriter Mek Obaam in der aktuellen Besetzung mit Christopher Uhe (Gitarre, ex-Speed Niggs, ex-Sharon Stoned), Arne Bergner (Tasten) und Jannes Wurps (Bass) das neue Album am 18.09. im Grünen Jäger in Hamburg sowie am Dienstag, den 22.09. in Berlin im Bassy im Rahmen von popmonitor.berlin auch live vorstellt (Record Release Party feat. special guest

Das Album wurde ja zur Hälfte in einem Haus in den schwedischen Wäldern aufgenommen. Wie kam es dazu, wie waren die dortigen Gegebenheiten, und wie hat sich das auf das Ergebnis ausgewirkt?

Das war einfach so eine Idee. Ich mag es, isoliert und dem üblichen Kontext entrissen an Musik zu arbeiten, und die anderen fanden die Idee gut. Das Haus bzw. der Hof, in dem wir waren, ist wirklich ein sehr spezieller Ort, an den wir gerne nochmal zurückkehren möchten. Die Bedingungen waren sehr gut und inspirierend. Die Ruhe dort hat sich in den Aufnahmen meiner Meinung nach eindeutig niedergeschlagen.

Trotz eines überwiegend relativ harmonischen Gesamtbilds lässt sich hier und da auch die Lust am Spiel mit bewusst integrierten (und teils sehr überraschenden) Brüchen – bspw. in Form von verzerrten, nahezu hysterisch anmutenden Vokaleinlagen, Free-Jazz-artigem Bläser-Getöse oder Gitarren-Feedback – konstatieren. Dient dies auch als klangliche Entsprechung der nachdenklichen und teils bittersüßen Texte?

Naja, ich höre zuhause kaum noch Popmusik, und da ergibt es sich von allein, dass sich der ein oder andere Bruch einschleicht, der mit dem Hören komplett anderer Klänge zusammenhängt. Das waren organische Entwicklungen und keine bewusst herbeigeführten Effekte. Das Saxofonsolo sollte eigentlich erst wie in ‚Walk On The Wild Side‘ klingen. Das habe ich mit Hayden, dem Saxofonisten, ausprobiert und es war einfach total käsig. Wir haben weiter rumprobiert und so sind wir dann nach einer Weile eher bei Ornette Coleman gelandet. Und Feedbacks sind für mich als Velvets-Liebhaber natürlich schon lange ein Genuss. Das Rumgeschreie in ‚Far Too Wide‘ habe ich mal als Gag bei einer Probe gemacht und damit war das etabliert…

(to be) „on the fence“ bedeutet im übertragenen Sinne „unschlüssig sein“, „zwischen den Stühlen sitzen“. Sind insbesondere die Lyrics des Titelsongs als Plädoyer für ein Sich-Nicht-Festlegen zu verstehen, auch in fortgeschrittenem Alter weiterhin Freiheiten und Optionen in verschiedene Richtungen zu haben, oder drückt sich darin im Gegenteil eher ein Hadern mit einer Form von Zerrissenheit aus, die einen ständig nicht erfüllbaren Träumen und Idealen hinterrennen lässt („I want to be where I am not // in China, South America or in Japan // on a mountain, in the desert or at the seaside“, ‚On The Fence‘), statt Verantwortung zu übernehmen und seinen Platz im Leben endlich zu akzeptieren?

Sowohl als auch. Ich bin allerdings schon sehr für Verantwortung, vielleicht nicht in der eindeutigen bürgerlichen, gesellschaftlich normierten Form, aber generell mag ich Verantwortung. Hadern tue ich trotzdem immer wieder mit mir und meiner Umwelt.

Was möchtest Du generell in deinen Texten zum Ausdruck bringen?

Das kann jeder selbst entscheiden. Alles was nicht autobiografisch ist, steht frei zur Interpretation. Aber selbst das mit autobiografischen Ansätzen darf gerne umgedeutet werden. Der rote Faden ist vielleicht, dass ich einfach formulierte Tatbestände mit komplexen Hintergrundgeschichten und mehreren Ebenen mag.



Seit Eyerything Is True hat es ja den ein oder anderen Besetzungswechsel bei Euch gegeben. Hattest Du die INNITS von Anfang an eher als eine Art Soloprojekt mit wechselnden Musikern, also als offenes Gefüge konzipiert oder hat sich das in den vergangenen Jahren so ergeben? Inwieweit waren die anderen aktuellen Bandmitglieder an der Entstehung der Songs bzw. an den Aufnahmen zu On The Fence beteiligt?

Nach den ersten Veröffentlichungen auf dem britischen Label Earsugar hatte ich eigentlich vor, eine „echte“ Band zu haben (deshalb auch die Namensänderung). Das hat sich im Laufe der Jahre aber leider als nicht umsetzbar erwiesen. So ist es nach und nach wieder zu einem Soloprojekt mit wechselnden Musikern geworden. Die Wechsel sind allerdings nicht immer harmonisch verlaufen.
Die Songs schreibe ich komplett alleine – was draus wird, entscheiden die anderen mit. Manchmal überrascht mich die Entwicklung sehr, aber ich finde es viel besser, das in der Gruppe zu machen, da passieren interessantere Dinge, als wenn ich das autonom entscheiden würde. Dafür macht man ja zusammen Musik und nicht für: „So, jetzt spielt mal, wie der Onkel Mek sich das gedacht hat!“

Bist Du zurzeit noch in anderen Bands oder musikalischen Projekten involviert, und wenn ja, in welche (stilistische) Richtung gehen sie?

Nein, derzeit gibt es keine anderen Projekte. Würde aber gerne mal was komplett anderes machen…

Empfindest Du dich infolge deiner musikalischen Biografie (u.a. Schneider TM, Barbara Morgenstern, The Boggs) zu einem bestimmten Netzwerk aus (Berliner) Musikern zugehörig, die sich schätzen und gegenseitig unterstützen? Oder legst Du darauf nicht so viel Wert, siehst Du dich eher als „Einzelkämpfer“?

Definitiv als Teil eines Netzwerkes. Das aber funktioniert eher auf freundschaftlicher Ebene als im Szene-Kontext. Die sogenannte Szene bedeutet mir nichts, und ich sehe mich da auch nicht zugehörig.

Anlässlich der Veröffentlichung von On The Fence stehen jetzt zwei Konzerte in Hamburg und am 22.09. in Berlin im Bassy Club an. Was erwartest Du dir von den Konzerten, sind es die ersten Auftritte in der jetzigen Besetzung?

Wir haben in der aktuellen Besetzung erst ein Konzert gespielt, und ich freue mich sehr auf die beiden anstehenden Shows. Ich hoffe, es kommen viele Leute.

Das Album:

THE INNITS
On The Fence
(Sunday Service/ Indigo)
VÖ: 21.08.2009

THE INNITS am Freitag, 18.09. live in Hamburg (Grüner Jäger) und am Dienstag, 22.09.09 live in Berlin im Bassy Club (w/ KITTY SOLARIS)

www.myspace.com/theinnits
www.theinnits.com
www.sundayservice.de

Fotos © Gerrit Sievert
Autor: [EMAIL=thomas.stern@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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