THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY am 21.05.04 im SO36

15 – 3 Songs über bewaffnete Liebe …

Doch bevor ich mich darüber ergehe, wie die kosmopolitischen Krawallmacher das SO36 politrockten, muss ich hier zwei Dinge klarstellen. In meiner Ankündigung für dieses Konzert sind mir zwei Fehler unterlaufen, die mir den Passierschein fürs Himmelstor wohl endgültig versaut haben, nachdem meine kleine fehlerhafte Existenz das Zeitliche gesegnet hat.

Zum einen habe ich behauptet, THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY wären von BURNING HEART weg, das ist natürlich eine Lüge, deren Dreistigkeit nur noch von der Kriegsrechtfertigung der USA getoppt wird, und ich entschuldige mich feierlich. BURNING HEART sind immer noch für den Vertrieb im europäischen Raum zuständig, AMERICAN kümmert sich ausschließlich (bitte lass das stimmen) um den amerikanischen Markt. Zum anderen bereitet es mir seit Tagen schlaflose Nächte, dass ich unbedachterweise leider ein Foto online gestellt habe, auf dem noch Sara Almgren zu sehen ist. Diese wurde natürlich ordnungsgemäß vor den neuen Aufnahmen aus dem nun ausschließlich männlichen Bandgefüge entfernt. Ich bitte, mir diverse Ablassbriefe für dieses Unvermögen zukommen zu lassen, um meine kleine Seele reinzuwaschen.

Doch genug zu dieser Gegendarstellung. Nun zu unumstößlichen Tatsachen. THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY im SO36 bedeutet Revolte, Aufstand, brennende Platte, uniformierte Widerborstigkeit in allen Belangen soziologischer Gemeinschaftsstrukturen, Kampf dem Kapitalismus, der es auf deine Jungfräulichkeit abgesehen hat, und eine Menge Surf’n’Swing’n’Rock’n’Roll für die Massen. Doch bevor es soweit war, rundeten STARLITE DSPERATION den Rock’n‘ Roll-Reigen in einer etwas unpolitischeren Richtung ab und zeigten, wie wichtig es für eine Band ist, dass der Sänger nicht alle stramm hat. Der Drummer dürfte wohl aus der gleichen Anstalt geflohen sein. Wenn man die STONES ohne die Rückendeckung von LENNON/McCATRNEY noch mal von vorne anfangen lassen würde, hätten die es an diesem Abend auch nicht besser gemacht. Da bin ich mir ganz sicher.

Kurz in die Kloschlange gestellt und noch’n political korrektes Bier besorgt, und schon konnte die Partnerlook-Revolte starten. Auf Tarn wurde diesmal verzichtet. Das doppel-X-chromosomlose Aufgebot war eher als eine Art Clockwork Orange- Gang am Start. Rot-schwarz gestreifte Oberteile geschützt von guten alten 70s Lederjacken, denen man sich im Eifer des Gefechts auch ziemlich schnell entledigte. Dieses Gefecht wurde traditionell eingeläutet mit ‚Smash it up‘ und ab da war klar, wer Chef im Ring war. Der alte Schwede DENIS LYXZÉN, der uns schon als Frontmann von REFUSED zu Jubelstürmen hinriß, machte auf seine schlaksige Art den Politkasper, ohne auch nur eine Sekunde albern zu wirken. Das Interpretieren der fast ausschließlich neuen Songs während des Sets machte allen fünf Beteiligten dermaßen Freude, dass sie alle, schönstes Beispiel der Gitarrist rechts von LYXZÉN, eine gewisse Ähnlichkeit zu Honigkuchenpferden aufwiesen. Das Erstaunliche war, dass, obwohl man die Songs nicht kannte, das selbe Flair versprüht wurde, wie auch schon bei den ersten drei Alben.
Das bedeutet zwar, dass man auf Armed Love nicht wirklich mit Neuerungen zu rechnen hat, was eventl. fürs Album nichts gutes bedeutet, für den Gig aber min. die Fort Knox Reserven wert war.
Diverse Ansagen über den Idioten-König der Vereinigten Staaten und Lebensweißheiten darüber, dass niemand etwas für uns ändern wird, gab’s natürlich inklusive.

Nach knapp 60 Minuten war das revolutionäre Schauspiel dann auch schon dem systematischen Zeitdruck gewichen. Doch das Volk begehrte auf, und ihre musikalischen Erretter revanchierten sich noch mit den zwei Zugaben ‚‚Capitalism stole my virginity‘ und ‚Black Mask‘, welche beim Song dann auch noch eindrucksvoll zum Einsatz kam. Kurz vorher teilte uns ein überschwänglicher Herr LYXZÉN mit, dass dies der absolut aller-, allererste Gig sei, in dem die INTERNATIONALEN KRACH VERSCHWÖRER mehr als 15 Songs gespielt haben … und wir waren dabei … yeah.

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