THE PICTUREBOOKS – List Of People To Kill


„Ob auf dem Rücken eines Hengstes, ob im Sattel einer Honda / Freiheit ist nicht nur für John Wayne da – oder Peter Fonda“



‚Der letzte Cowboy kommt aus Gütersloh‘ heißt ein Song, über dessen Urheber sich diverse Einwohner des kleinen Städtchens Gütersloh heiße Debatten liefern. Obwohl ihnen das eigentlich gar nicht so wichtig ist, denn es ist ihre Hymne, wen kümmert da schon der Verfasser. Und wen kümmert Gütersloh? Eigentlich niemanden, aber in letzter Zeit taucht der Name unter Populärmusik-Interessierten öfter einmal auf, denn da gibt es wohl eine Band, die nicht so klingt, wie man es vermuten könnte, wenn man weiß, dass sie aus Gütersloh kommt, sondern so, als würden sie demnächst das Cover des NME zieren. Könnte man vermuten. Alles klar?

THE PICTUREBOOKS wollen es also sein. Die neue Entdeckung. Drei so Jungs aus der Provinz, alle lange keinen Kamm gesehen, alternativ heißt das. Aber dann die Musik! Die privaten Radiosender haben für so etwas den Satz „Geht gut nach vorne“. Da sind sie momentan, vorne, auch mit Schlachtruf und Panzer vorangeprescht.

„Einsam und immer unterwegs
Knabbert er den letzten Keks
Der letzte Cowboy kommt aus Gütersloh
Und sucht die Freiheit irgendwo“

‚On The Go‘, sowohl erste Single als auch Opener dieses lauten Debüts mit dem Namen List Of People To Kill, macht gleich die Marschrichtung klar: Finger einmal in die Schuhcreme getaucht, unter jedem Auge in Football-Manier einen schlampigen Strich gezogen, los geht’s. Vielleicht die Freiheit suchen, wie der besagte Cowboy. Wir sind jung, wir sind wild, die Provinz ist zu klein. Alle elf Songs auf der Platte schreien raus, dass man irgendwie unzufrieden ist. Dagegen wird dann also angekämpft mit quietschendschreiender Stimme, mit Sandpapier im Mund drauflos geschmirgelt, bis alles, was nicht so toll ist, glatt geschrubbt ist. Lügen, Menschen, die man nicht mag, das Gefühl, eine Maschine zu sein. Alles wird einfach weggeschrien.

Dabei ist die Stimme immer so sehr verzerrt in die krachenden Gitarren eingebettet, dass sie selbst mehr Instrument ist. In ‚Marionette‘ gibt es dann mal im Verhältnis gesehen schon fast zartes Weihnachtsmannschlitten-Geläut, trotzdem wie in allen Songs schrummelige Gitarren. ‚Prince Of Traffic Light‘ kommt man dann kurz auch mal fast ohne und nur mit Schlagzeug aus. Sonst ist der Sound sehr gradlinig.

„Wenn ihn die Frau’n von hinten sehn
Woll’n sie vor Sehnsucht fast zergeh’n
Doch ergeht weiter Richtung Westen
Ohne sich jemals umzudreh’n“

Weiter Richtung Westen wird es wohl auf jeden Fall gehen, THE PICTUREBOOKS klingen ja jetzt schon wie von der Insel. Da sollte die Eroberung doch ein leichtes sein. Wer sich gleich verlieben will, hört ‚On The Go‘ oder ‚Le Chat Noir‘. Ein gutes Album. War Gütersloh doch mal nützlich.

THE PICTUREBOOKS gibt es live am 29. Mai im Privatclub.

THE PICTUREBOOKS
List of People to Kill
(Nois-O-Lution/ Indigo)
VÖ: 24.04.2009

www.thepicturebooks.com
www.myspace.com/picturebooksthe
www.noiseolution.de

Autor: [EMAIL=melanie.gollin@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Melanie Gollin[/EMAIL]

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