The Precious Mings – Every Time I Sell A Record A Kitten Dies

The Precious Mings - Every Time I Sell A Record A Kitten Dies

Es gibt „andere“ Musik, die so anders ist, dass Unwissende sie aus Höflichkeit noch „nett“ oder „interessant“ betiteln. Der MING-Clan ist eine Band, die übertrieben „interessante“ Musik zu machen versteht und das mit einer solchen Selbstironie, dass man diesen Easy Listening-Indie Pop eigentlich nur missverstehen oder mögen kann. Der Album-Titel Every Time I Sell A Record A Kitten Dies klingt wie eine Drohung. Man sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen.

Kopf der PRECIOUS MINGS ist der ansonsten auch unter dem Namen Boris Exton und als Chikinki-Keyboarder bekannte BORIS MING, der von einem Stab von rund zehn Musikern unterstützt wird, der ihn mit allen möglichen Instrumentierungen versorgt, und es dauerte also drei lange Jahre, bis das Debüt Every Time I Sell A Record A Kitten Dies endlich produziert und verkaufsfertig war.

Nach einem anheimelnden Synthie-Intro und ein paar E-Gitarrenakkorden setzen Orgel und Schlagzeug in ‚Quack Horse‘ ein, bevor eine tragikomische Stimme dazu springt, die stark phonetisch und knackig aufgenommen wurde. Handclaps bestärken den Uptempo-Song in seinem schwelenden Sound und ein kleiner Chor im Refrain. Der Song wirkt eigentümlich abgegriffen und trotzdem nicht so abgestanden, dass er unhörbar wäre, solch morbiden Pop kennt man schließlich auch vom Anti-Folk.

Um die fröhlich-altmodischen Sounds der nächsten Songs wie ‚Plankton‘ zu beschreiben, muss an Nerd-Wissen appelliert werden, schließlich handelt es sich hier ja auch um Nerd-Musik. Erinnern wir uns an die PC-Spiele der 90er, an die goldene Pixel-Adventure-Ära. Auf derartige PC-Klänge und -Beats werden Drums und Gitarren gelegt. Ein Liebeslied namens ‚Why Fish R Gr8‘ ist eindeutig zweideutig, wenn BORIS MING von einem Rendezvous vor dem Aquarium singt.

Das spinettverstärkte ‚Man Monkey‘ klingt dagegen wirklich traurig, aber so niedergeschlagen, dass man es auch ironisch auffassen kann. Noch mehr Nerd-Wissen: Für Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, werden die „Spuk“-Kinderfilme ein Begriff sein. Ähnlich niedliche Spukgeräusche wie in diesen Serien fliegen auch hier neben Streichern durch die Luft.

Solch verschrobener Pop ist natürlich Geschmackssache, auch wenn die Mundharmonika auf dem Instrumental ‚Dagenham Flats‘ neben vielem anderen wirklich hörenswert ist. Wenn es um das Volkslied ‚Greensleves‘ geht, bevorzugt man vielleicht doch lieber die KELLY FAMILY als die furchtbar kauzige Version der MING-Familie. Dennoch ist dieses Werk ein echter Insidertipp und mehr als lediglich Bibliotheksbeschallung.

THE PRECIOUS MINGS live in Berlin bei den Karrera Klub/Weekender Festspielen am 08.10.08 im Magnet Club (mit Look See Proof, 1984 + Beasts)

THE PRECIOUS MINGS
Every Time I Sell A Record A Kitten Dies
(Weekender Records/ Indigo)
VÖ: 05.09.2008

www.myspace.com/thepreciousmings

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