THE VERVE – Forth


Verve is noise.



Mit Forth legen THE VERVE elf Jahre nach ihrem mit Urban Hymns erklommenen kommerziellen wie künstlerischen Gipfel tatsächlich ein kaum mehr für möglich gehaltenes Comebackalbum mit zehn neuen Stücken vor. Nach diversen, keineswegs enttäuschenden Soloveröffentlichungen von Frontmann Richard Ashcroft und eher weniger beachteten Arbeiten der anderen Bandmitglieder haben sich insbesondere die ehedem zerstrittenen Verve-Köpfe Ashcroft und Gitarrist Nick McCabe nach ihrer – bereits zweiten – Auflösung 1999 nun also erneut zusammengerauft, um sich ausschließlich dem „Lustdiktat“ (Presseinfo) zu unterwerfen, was im Vorfeld der Veröffentlichung im vergangenen Jahr mitunter zu stundenlangen, improvisationsartigen Sessions geführt hatte, aus denen beispielsweise das das Album ein wenig überraschend eröffnende ‚Sit And Wonder‘ entsprang, hier allerdings zurechtgestutzt auf einen bestens verdaulichen sieben-Minuten-Pfünder.

Allein dieser doch recht tonnenschwere, jenseits jeglicher Konsens- bzw. Kommerz-Konventionen und -Absichten konturierte Einstieg gibt den Weg für ein Album vor, das in seiner grundsätzlichen Ausrichtung und musikalischen Umsetzung eher an die auf den ersten beiden Alben der Band kreierten ausufernden Soundlandschaften anschließt, auch wenn man ja stets gerne vergisst, dass sich auch Urban Hymns neben der melodiösen Engängigkeit von Klassikern wie ‚The Drugs Don’t Work‘, ‚Lucky Man‘ oder natürlich ‚Bittersweet Symphony‘ zwischendurch keinesfalls einer vortrefflich lärmenden Psychedelik mit Jam-Charakter verweigerte.
Dennoch, wer dem pflegeleichten, gleichwohl genial zu eigen gemachten Popappeal auf Urban Hymns erlegen war, wird auch auf Forth mit dem fantastischen, gleichermaßen kraftvollen wie hymnischen ‚Love Is Noise‘ sowie den eher sphärisch-verträumten, streicherverzierten ‚Rather Be‘, ‚I See Houses‘ oder ‚Valium Skies‘ bestens bedient, auch wenn – bzw. gerade weil – diese Songs die eher songorientierteren Strukturen der Solowerke Ashcrofts beinahe schon explizit zitieren.

Demgegenüber stehen jedoch beispielsweise mit dem erwähnten ‚Sit And Wonder‘, ‚Numbness‘, ‚Columbo‘ oder ‚Appalachian Springs‘ zuvorderst extremst flächige, von der fein ziselierten und gewohnt versierten, den Songs oftmals den explosiven Noise-Kick aufstülpenden Gitarrenkunst McCabes sowie dem zwischen falsettartig und sonor changierenden so eindringlichen Organ Ashcrofts getragene, die fünf-Minuten-Grenze meist locker überschreitende hypnotische Klang-Epen. Mit dem ganz gut zwischen Oasis und Deus zu verortenden ‚Noise Epic‘ findet sich auch mal ein überraschend temporeicher, beherzt krachender Indierocker inmitten eines ansonsten meist vorherrschenden atmosphärischen Schwebezustands.

THE VERVE gelingt mit Forth über weite Strecken der nicht ganz leichte Spagat zwischen psychedelischer Urgewalt und songorientierter Intimität, womit sie Fans und Freunde nach der langen Auszeit nicht nur zufriedenstellen, sondern durchaus begeistern können sollten.

THE VERVE
Forth
(EMI Music/ EMI)
VÖ: 22.08.2008

www.theverve.co.uk
www.myspace.com/thevervetv

Autor: [EMAIL=thomas.stern@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail