THE SOFT HILLS – The Bird Is Coming Down To Earth


:: Magisch-melancholische Geschichtenerzähler ::



Update: THE SOFT HILLS am Donnerstag, 17.05.12 im Rahmen von Popmonitor live in Berlin @ Lovelite (w/ Support: MYSTICAL COMMUNICATION SERVICE)

Man stelle sich vor, die KINGS OF CONVENIENCE seien in den USA geboren, mit den FLEET FOXES aufgewachsen, vom Erbe der SCREAMING TREES belastet und Kinder der New Folk-Generation unter der Mentorschaft von WILCO – und das Ganze nun unbedingt in Seattle: THE SOFT HILLS sind umwerfend, berührend und erfrischend anders als alles am Neo Folk-Horizont der letzten Jahre. Auch wenn die Zeit des Grunge lange vorbei ist und die Vorgänger nur im Unterbewusstsein anklingen, scheint ein düsterer Geist die musikalische Muse dieser Stadt zu sein. Oder es ist der Regen, der dort angeblich immer fällt. Jedenfalls: ein wundervoll inspiriertes und inspiriendes Stück Musikgeschichte, das THE SOFT HILLS uns hier bescheren.

The Bird Is Coming Down To Earth ist der zweite Longplayer des Quartetts um Garrett Hobba, Brittan Drake, Randall Skrasek, and Brett Massa – vier bärtige Männer mit Chorgesangs-Talent und einem Hang zu Herbst-Melancholie, hallendem Vibrato-Sound und hypnotischen Riffs. Unglaublich schön in ihrer Einfachheit und harmonischen Verbindung – ein Gefühl von Vertrautheit und Vergangenem steigt unweigerlich in einem auf, als ob THE SOFT HILLS den verspäteten Soundtrack zu verschütteten Erinnerungen liefern.

Der Opener ‚Phoenix‘ zollt dem Genre Acoustic-Folk deutlich Tribut, und das zugehörige Video setzt den Auftakt unserer Reise an den Ursprungsort des Mythos‘: in sonnige Prärie, wo schamanenhaftes Lagerfeuer den Rahmen für die Erzählung bildet. “You can ride with us any time you want, we can journey to the end of the night … in the misty morning I’ll be here with you” ist eine gesungene Einladung, dem Folgenden zu lauschen. ‚Days When We Were Young and Free‘ entrückt uns dank mehrstimmigem Chorgesang in eine Meditation über unsere eigene Jugend. Und mit dem schleppend-gezogenem Rhythmus und Stimmklang in ‚Midnight Owls‘ ist das melancholische Element endgültig in die Geschichte eingeführt.

Eine elegisch-verzerrte Wüsten-Gitarre mit Feedback und Hall trägt uns weiter ins ‚River Boat‘, wo wir durch eine neue, mit Hoffnungsschimmern aufgeladene Landschaft schippern: “I can’t forget it, the flames that you felt”. Doch der Schein trügt und wie so oft im wahren Leben, folgt auf die Ruhe der Sturm: ‚Tidal Waves‘ – ein absolutes Highlight dieses Albums. Unvorbereitet trifft einen die rauhe, wuchtige und füllige Klangwand, und man könnte plötzlich meinen, das neue Album von MARK LANEGAN oder THIS WILL DESTROY ME zu rezensieren: “… to the end where we fell, there’s a gateman waiting where the ocean spills”… dabei klingen THE SOFT HILLS in diesem Genre genauso heimisch, wie beim unschuldigen Einleitungssatz.

Mit ‘Chosen One’ erweitert die Band ihre Bandbreite nochmals um Educated-Pop-Einflüsse à la I AM KLOOT. Doch keineswegs als Effekthascherei, um mittels Masse oder Quoten-Fülle zu beeindrucken – der Ohrwurm ist versprochen. Mit einer kongenialen Harmoniefolge und lyrischer Metaphorik beweisen THE SOFT HILLS, dass hier könnerhaftes Schöpfertum am Werk ist und für manche schmerzhafte Erfahrung Pop eben immer noch den besten Musik-Baukasten stellt.

Ob in einem Drogenrausch oder Melancholie-Zustand gefangen, ‘Purple Moon’ verbindet die Schwere des sedierten Gemüts mit dem klaren Schimmer des fernen unerreichbaren Lichts und will, dass wir uns wieder aufraffen und zwingen, den Berg zum Sonnenaufgang zu erklimmen. Ein warm angezerrtes Meisterstück Psychedelic-Rock.

‘Return to Eden’ und ‘It Won’t Be Long’ führen an den Anfang der Geschichte zurück. Und mit sanften und verschwommenen Folkklängen auch wieder ins emotionale Tageslicht, ohne dass die langsam sich aufhellende Stimmung dabei in Kitsch oder Naivität abrutscht. Denn immer bleibt ein Akkord Sentimentalität und Melancholie, der uns vor der naiven Hoffnung bewahrt. Und zum Abschluss: ‘Falling Leaves’ – auch ein produktionstechnischer Geniestreich von ERIK BLOOD als Abrundung von The Bird Is Coming Down To Earth. Alle Effekte und Hall sind verschwunden, nur noch Akustikgitarren, Bass und A Capella-Gesang – ein Beispiel wunderschöner Kammermusik; und unweigerlich erwacht man aus dem Traum, wenn das Album mit den Worten endet: “… autumn leaves begin to fall through the windows of my soul. Suddenly a rhythm calls, leads me back to my home.”

Wer noch unschlüssig ist, was den anstehenden Konzertbesuch betrifft, sei informiert, dass THE SOFT HILLS ihren Auftritt mit psychedelisch-mythischen Visual Arts untermalen. Es sollte gelingen, sich vom magischen Zauber umfangen zu lassen, wenn der Vogel sich auf die Erde niederlässt.

THE SOFT HILLS am Donnerstag, 17.05.12 im Rahmen von Popmonitor live in Berlin @ Lovelite

THE SOFT HILLS
The Bird Is Coming Down To Earth
(Tapete Records / Indigo)
VÖ: 20.01.2012

http://thesofthills.com
www.myspace.com/thesofthills
www.tapeterecords.de

Autorin: [EMAIL=julia.schell@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]julia schell[/EMAIL]

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