THE VERY BEST – The Very Best Remixes Of The Very Best


Zurück in die Zukunft.



Man mag es aktuell kaum glauben, aber Musik aus, für und über Afrika gibt es nicht erst seitdem die diesjährige Fußballweltmeisterschaft vom afrikanischen Kontinent aus die Welt in ihren Bann gezogen hat.. Dabei sind es aktuell wie so oft jedoch leider bloß die üblichen Verdächtigen, die sich – waka waka – des Sympathiepotentials der afrikanischen Rhythmen und Sounds bedienen dürfen. Umso erfreulicher, wenn es Musiker aus Afrika selbst schaffen, jenseits üblicher Ethnoklischees im globalen Musikzirkus Fuß zu fassen. THE VERY BEST könnten so ein Beispiel sein.

Von der Weltöffentlichkeit leider noch viel zu wenig beachtet, veröffentlichte die Band bestehend aus dem in Malawi geborenen Sänger Mwamwaya sowie dem in London ansässigen Produzentenduo Radioclit mit Warm Heart of Africa 2009 ein wunderschönes Stück Musik zwischen traditionellem afrikanischen Folk, Ethnosound, World Music und modernen, westlichen Electrobeats. Ähnlich wie etwa M.I.A.und Santigold zuvor an einem Entwurf moderner Weltmusik gearbeitet hatten, so präsentierten THE VERY BEST diesen nun aus afrikanischer Sicht. Nur logisch, dass besagte Künstlerinnen als Featuregäste auf Warm Heart of Africa vertreten waren.

Nun also, über ein dreiviertel Jahr später, erscheint The Very Best Remixes of The Very Best, und es passt zum Vielseitigkeitsanspruch der Band, dass hier eine Reihe von internationalen Produzenten am Werk waren, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. So werden die Songs des Debüts nun unter anderem geremixt von Künstlern wie dem in Berlin ansässigen Gonzales aus Kanada, Architecture in Helsinki aus Australien, Metronomy aus England oder eben Radioclits Johan Hugo himself. Und diese Mischung verdeutlicht, wie THE VERY BEST Weltmusik 2010 verstehen.

Gleich der Opener, ‚Chalo‘ im Gonzales Remix, zeigt dieses Verständnis exemplarisch auf. Gonzales liefert hier eine schwelgerische Pianomelodie, die seltsam wunderbar mit Mwamwayas Chichewagesang harmoniert. Die dazu anfangs deplatziert wirkende Clap wie aus einem schlechten Plastik R´n´b sorgt dabei zunächst für Verwirrung: Wie passt das alles zusammen? Doch schnell wird klar, dass es genau darum geht.

So lässt die Unterstützung diverser eher unbekannter UK MCs ‚Julia‘ im Lake of Stars Remix wirken, als handle es sich um ein Grime oder UK Garage Stück. ‚Yalira‘ remixt mit Douster ein Vertreter der jüngsten Generation französischer Elektronik-Frickler und drückt dem Track seinen ganz eigenen, an French House und 80er R´n´B erinnernden Stempel auf. ‚Julia‘ im Javelin Remix besticht durch Surfgitarren und einen treibenden 60ies Groove, ‚N´Sokoto‘ im Renaissance Man Remix ist dann ein astreiner Minimal Stampfer. Und stets hört man Afrika.

Allen beteiligten Künstlern merkt man dabei die Freude an, die diese beim Remixen der 13 Tracks gehabt haben müssen. Das Schöne ist, diese Freude überträgt sich schnell. Durch seine bunte Ansammlung verschiedenster Referenzen und Stilmittel wird The Very Best Remixes of The Very Best zu einer begeisternden und entdeckungsreichen Zeit- und Zukunftsreise durch die Geschichte der weltlichen Popmusik, beseelt durch das warme Herz Afrikas. Eine Geschichte, die viel Spaß macht. Auch ohne Fußball.

THE VERY BEST
The Very Best Remixes Of The Very Best
(Cooperative Music/ Universal)
VÖ: 16.07.2010

www.myspace.com/theverybestmyspace

Autor: [EMAIL=bastian.fruhner@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Bastian Fruhner[/EMAIL]

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