The Zen Circus And Brian Ritchie – Villa Inferno

The Zen Circus And Brian Ritchie - Villa Inferno

Heiß erwartet wurde Villa Inferno in Italien, der Heimat des ZEN CIRCUS, einer Underground-Kultband aus Pisa. Unterstützt von internationaler Indie-Prominenz ist ein Album mit jeder Menge guter Songs entstanden, das auch in Deutschland seine Verehrer finden sollte. Denn für wen wäre nichts dabei, wenn man Punk, Folk und Indie am Stück geliefert bekommt?

Die Kernbesetzung besteht aus APPINO (Vocals, Gitarren, Piano), UFO (Gitarren), KARIM (Bass) und QQRU (Drums). Die Herren verteilten eine Menge LPs in den letzten Jahren und erspielten sich den Ruf als beeindruckende Liveband. Dabei gewannen sie auch den Bassisten der eigenen Vorbildband als Fan, nämlich BRIAN RITCHIE von den VIOLENT FEMMES, der das offizielle Debüt schließlich produzierte, einige Vocals beisteuerte und diverse Instrumente einspielte.

Der erste Track, ‚Dead Penfriend‘, entpuppt sich als treibender Indierock mit Punk-Anleihen und weckt als Opener eine Vorstellung vom gesamten Album, die nicht unbedingt erfüllt wird. Er dient eher als Andockstation für das europäische Publikum, da man im Folgenden eine Auswahl von Stilen vor sich hat, die nicht nur auf Englisch, sondern teilweise auch auf Italienisch, Serbisch und Französisch dargeboten wird.

Der wohl poppigste Song des Albums, die Single ‚Wild, Wild Life‘, kommt als fröhlicher Punksong mit Kirmes-Orgel und 70er-Jahre-Feeling daher, auf dem kein Geringerer als JERRY HARRISON von den TALKING HEADS in die Tasten haut. Auch wenn der Song nicht von APPINO und seiner Band stammt, vermittelt er doch glaubhaft, welchen Spaß ihnen dieser Song mit seinen Lyrics und Hooks macht.
Beschwingt galoppiert dann ‚Beat The Drum‘ heran, in dem BRIAN RITCHIE mit rauem Gesang den Hörer begrüßt, bevor APPINO übernimmt. Punk’n’Roll, leichtes Schlagzeug und ein feines Gitarrensolo werden gespielt, bevor die Band vom geliebten Suff lallt, was sich sicher gut in den Clubs macht.

Überhaupt rollen die Songs entspannt dahin. Gerockt wird kaum, auch die Vocals bleiben gelassen, nie aggressiv. „Dreckig“ passt schon eher auf den Gesang, der in ‚Punk Lullaby‘, der zweiten Vorzeigesingle, steckt. Hier sind es KIM und KELLEY DEAL von den PIXIES bzw. BREEDERS, die uns von den „Sweet, sweet babies“ singen, weibische Jungs und burschikose Mädchen in Punkbands eben.
Es folgt eine laute, ungestimmte Akustikgitarre, die die schöne Outlaw-Ballade ‚Dirty Feed‘ einleitet. BRIAN RITCHIES bluesige Stimme passt bestens dazu und kommt hier nicht nur thematisch fast an ‚Punk Rocker‘ von IGGY POP und den TEDDY BEARS heran.

‚Figlio Di Puttana‘ ist dann der erste nicht-englische Song, der die anderen anderen ZEN CIRCUS-Songs einleitet, die spielerisch mit Italo-Pop oder typisch osteuropäischer Musik umgehen. Das heißt nicht, dass nicht auch noch englische Akustiksongs warten, doch hier baut sich aus Klavier, Gitarren und Chorgesang astreiner Folk auf.
Ebenfalls interessant ist ‚Narodna Pjesma‘, das wie die Untermalung eines serbischen Krimi-Musicals klingt. In einer verrückten Melodie rappeln Drums und Saxophon zu trunkenem Gesang durcheinander.

Nach so viel Lob muss nur noch angemerkt werden, dass in dieser bunten Songauswahl die angloamerikanischen Songs nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ die Nase vorn haben, während die süd- und osteuropäisch beeinflussten doch etwas blass bleiben. Nichtsdestotrotz ein insgesamt absolut spaßiger Trip.

THE ZEN CIRCUS & BRIAN RITCHIE
Villa Inferno
(Unhip Records)
VÖ: 23.05.2008

www.zencircustheband.com
www.myspace.com/thezencircus

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail