TROY VON BALTHAZAR – Troy von Balthazar


Gitarre, Stimme und ein bisschen was drum herum vom Chokebore-Frontmann.



Wenn der Sänger einer etablierten Band ein Soloalbum herausbringt, so klingt das doch häufig allzu verwandt und nur wie eine weitere Episode in der Banddiskographie. TROY VON BALTHAZARS selbst betiteltes Debutalbum, das nach zwei Jahren in der Warteschleife nun endlich auch in Deutschland erscheint, hat mit den energetischen Rocksongs seiner Band CHOKEBORE hingegen nicht mehr viel gemein. Allenfalls die Gesangsharmonien knüpfen in Tragik und Leidenschaft noch an die späteren Alben der hawaiianischen Indie-Rocker an, ansonsten aber liegt hier in der Ruhe die sprichwörtliche Kraft.

In bester LoFi-Manier pragmatisch-schlicht gehalten, lässt sich das Album grob zurückführen auf die Verwendung von „Gitarre, Stimme und ein bisschen was drum herum“, wie es der charismatische Sänger selbst auf den Punkt bringt. Dieses Drumherum besorgen Drumloops, Samples, ein schüchternes Glockenspiel hier oder eine flüchtige Keyboardmelodie da – behutsam arrangiert um TROY VON BALTHAZARS emphatischen Gesang und eingebettet in eindringliche Songs, die mal sehr reduziert (‚Magnified‘, ‚Cover Us‘), mal im dichten Soundgewand (‚Took Some Money‘, ‚I Block The Sunlight Out‘) daherkommen. Meistens bleibt es leise, wie bei den Gesangsduetten mit der französischen Sängerin Adeline Fargier (‚Dogs‘, ‚Perfect‘), trotzdem wird dem Zuhörer der Zugang zu Troy Von Balthazar nicht zu einfach gemacht. Die Drum Machines erzeugen keinen tanzbaren Discosound, und experimentelle Soundsamples, verfremdete Stimmfiguren und gelegentliches Gitarrendistortion (‚Rainbow‘, ‚Bad Controller‘) schaffen eine mitunter verstörende Atmosphäre. Textlich bleiben die großen Themen der Chokeborezeit in etwa erhalten und erzählen von Einsamkeit, Verletzlichkeit und Verzweiflung, aber auch von Liebe, Hoffnung und dem Verlorensein im eigenen Nomadentum – das Album entstand pendelnd zwischen Frankreich, Deutschland und den USA.

Für diejenigen, die schon einmal das Vergnügen hatten, TROY VON BALTHAZAR live zu erleben, bleibt vielleicht der kleine Wermutstropfen, dass durch die vorwiegend akustische Instrumentierung und eine sehr zurückgenommene Produktion sowohl TROYs kraftvoller Live-Sound, wie auch seine fantastische Stimme selten richtig zur Geltung kommen. Ganz zu schweigen von der exzentrischen, einnehmenden Bühnenpräsenz, die ihm schon zu Chokeborezeiten den Ruf einbrachte, live besser zu sein als auf den Alben und die natürlich durch keine Studioaufnahmen der Welt eingefangen werden kann. Trotzdem ist Troy Von Balthazar ein persönliches, ein sehr menschliches Album geworden, das einen gewaltigen Eindruck hinterlässt, sowie einige Pop-Perlen wie ‚Herioc Little Sisters‘ oder ‚Real Strong Love‘.
In der Biographie auf seiner Homepage steht nur ein einziger Satz geschrieben: „TROY VON BALTHAZAR writes beautiful music“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

TROY VON BALTHAZAR
Troy Von Balthazar
(Sinnbus/ Alive)
VÖ: 26.10.2007

TROY VON BALTHAZAR (+ Tocotronic) am 6.11.07 live in Berlin / Columbiahalle

www.troyvonbalthazar.net
www.myspace.com/troyvonbalthazar
www.sinnbus.de

Autor: [EMAIL=arne.wellding@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Arne Wellding[/EMAIL]

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