TV ON THE RADIO am 01.09.2004 im Magnet

Unglaublich pulsierendes Soul’n’Noise-Gebräu aus New York…

Bandgründer DAVID ANDREW SITEK hat sich ja bislang in erster Linie als Produzent der YEAH YEAH YEAHS einen Namen gemacht und tritt nun also auch mit seiner eigenen, mittlerweile zum Quintett angewachsenen Band TV ON THE RADIO zunehmend ans Licht der Öffentlichkeit.

Es war schon ein imposanter Anblick, als SITEK mit seinen dunkelhäutigen Mitstreitern die Bühne betrat, von denen Gitarrist KYP MALONE mit seiner überdimensionalen Starkstrom-Frisur natürlich noch deutlich hervorragte, wohingegen der Bassist während des gesamten, knapp eineinhalbstündigen Gigs – den Besuchern den Rücken zugewandt – ausschließlich seinen Verstärker mit seinem Antlitz beglücken sollte.

Die Mannen aus New York präsentierten im so gut wie ausverkauften Magnet Club natürlich vorwiegend Songs ihres famosen Debütalbums Desperate Youth, Blood Thirsty Babes und begannen mit dem überlangen, sich langsam bedrohlich steigernden Opener des Albums, der bereits einen guten Ausblick auf die weitere Performance bieten sollte, die in erster Linie durch eine ungewöhnliche und daher spannende Verquickung von Postpunk- und Gitarren-Noise-Elementen mit einem meist cool groovenden, soulig-funky Rhythmus-Fundament bestach und sich nur gelegentlich straighten Rockismen wie bei der forsch und eine Spur temporeicher vorgetragenen Single ‚Staring At The Sun‘ verschrieb.
Nur äußerst selten wurde gar ein recht kräusigeles, an Avantgarde-Jazz gemahnendes, fast atonales Gezirpe eingestreut, das aber wirklich nur als dezentes und eher belangloses Beiwerk fungierte.

Soundexperte SITEK konzentrierte sich vornehmlich und gerne kniend auf seine detail- und effektverliebte Gitarrenarbeit, die sich aber auch immer wieder mal im Zusammenspiel mit dem zweiten Gitarristen KYP MALONE in unwiderstehlich massiven Gitarrenwänden entlud, während der großartige afrikanischstämmige Sänger TUNDE ADEPIMPE mit eindringlicher Bühnenpräsenz und klasse Stimme – die im Übrigen live weit weniger an Peter Gabriel erinnerte als auf Platte – seine Texte mit den teilweise politischen Inhalten von der Bühne shoutete.

Multiinstrumentalist SITEK, der sich fast während des gesamten Auftritts mit einer Nebenrolle am äußeren Bühnenrand begnügte und sich dabei sichtlich wohl fühlte, wechselte gegen Ende dann auch für zwei Stücke ans Drumset und sorgte später bei der ersten, stark gospellastigen Zugabe per Mund und Mikro alleine für die perkussive Untermalung.
Nach einer weiteren Zugabe an ihren angestammten Instrumenten beendeten die fünf sympathischen Vollblutmusiker einen in jeder Hinsicht fantastischen, weil aufgrund der Verschmelzung von ziemlich unterschiedlichen musikalischen Einflüssen beeindruckenden Gig.

http://www.tvontheradio.com

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