Werle And Stankowski + Mio Myo am 21.11.2007 im Magnet Club

Werle & Stankowski

„Electronica-Abend im Magnet? Werden eine Menge Indieleute da sein.“ Wer so denkt, liegt absolut richtig, denn Electronica, noch dazu verpackt in einen Folksong, erscheint als die schöne und akzeptierte Alternative für alle House- und Technofeinde. WERLE & STANKOWSKI, ein Kölner Duo, das sich eben dies zum Vorteil bereitet, hatten sich am 21. November angekündigt, um ihre vierjährige Historie zu erweitern.

Der Magnet ist wie immer etwas düster als der Support namens MIO MYO sich auf der Bühne versammelt. Viel Zeit wird den Berlinern nicht eingeräumt, deren selbst betitelter „Ghost Rock“ zwar wie die Songs des Hauptacts melancholisch daherkommt, aber weitaus weniger partytauglich ist. Urbane Kühle und textliche Tiefe werden in einem Indie transportiert, der auch vor Postrock- und Trip Hop-Anleihen nicht Halt macht. Neben reichlich Elektrogeplucker sind immer auch schöne Akustikstrecken dabei wie in ‚Pearls‘. Kurzer Hinweis: Hier harrt ein ungeschliffener Rohdiamant in den Untiefen Berlins dem Tag seiner Entdeckung durch ein Label!

Nach dem Umbau bleibt auf der Bühne nichts als ein DJ-Set und eine Akustikgitarre zurück. Ungeduldig hört der volle Saal fast 20 Minuten dem dröhnenden Intro in Dauerschleife zu. Endlich tauchen die beiden Herren SIMON WERLE und JOHANNES STANKOWSKI hinter dem Vorhang auf. WERLE lässt sich im DJ-Outfit an den Reglern nieder und STANKOWSKI, ein junger LENNY KRAVITZ-Verschnitt, wirft sich die Gitarre um und seine Sneakers an die Wand.

Sofort fallen die viel zu lauten Techno- und HipHop-Beats auf, die die Akustikgitarre und Songs breitschlagen. Auf diese Weise geht die nachdenkliche Harmonie des diesjährigen Albums Listen to Werle & Stankowski im Dancegeballer unter. Davon lassen sich die Fans jedoch nicht stören, sondern schließen sich bereitwillig WERLEs Tanzkünsten sowie STANKOWSKIs relaxt-gefühlvollem Gesang an.

Die ehrlichen Alltagsgeschichten (z.B. ‚Lady Grey‘) und Lieder im „Es wird schon irgendwie weitergehen“-Affekt (z.B. ‚Dance‘) würden eigentlich auch ohne die Elektrospielereien genauso viel Sinn machen, bleiben jedoch ein abgespeckter Folk. Sind die Synthiesounds und Computerchöre also nur Ausschmückung? STANKOWSKI würde seine Einsätze auch ohne ein quakendes Echo meistern. Allerdings würde ihm allein in seiner Melancholie wahrscheinlich die tanzende Klientel ausbleiben. Das erfolgreiche Debüt Your Show vor drei Jahren hat sich ja gerade durch die fleißige Clubrotation des Duos verbreitet. Und auch auf dieser Tour werden die Fans mitspielen, schließlich ist das Gesamtprodukt einfach zu sympathisch.

www.werle-stankowski.de
www.miomyo.de
www.myspace.com/werlestankowski
www.myspace.com/miscymusic

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