White Lies (+ Darker My Love) am 07.11.2009 im Astra

White Lies

Das Wetter war typisch englisch: kalt und neblig. Viele Menschen drängten in das Astra Kulturhaus am Abend des 7. November, um eine Band zu sehen, die im letzten Jahr einen Hype auslöste und sich vor zwei Jahren offiziell als WHITE LIES gründete. 2009 erschien ihr Debüt To Lose My Life auch in Deutschland, das gekonnt an den 80er-Wave referiert. Doch was bei JOY DIVISION bitterer Ernst war, ist bei den drei britischen Jungs Pose, Form, Kunst.

Als der Support DARKER MY LOVE im Düstern auf die Bühne kommt, wird der Konzertsaal schon über die Hälfte vom Publikum gefüllt und aufgeheizt. TIM PRESLEY, der ein wenig wie ein junger LIAM GALLAGHER aussieht, singt schallverstärkt und mit erhobenem Instrument. Sein alter THE NERVE AGENTS-Kollege ANDY GRANELLI, der auch schon für THE DISTILLERS arbeitete, spielt energisch das Schlagzeug. Die Band liefert einen dichten, drumsbetonten Indierock ab – eine gute Vorbereitung auf die WHITE LIES. Deren Sänger hält DARKER MY LOVE für nette Kerle, wie er später sagt.

Zum Set der Band gehören u.a. ‚Summer Is Here‘ sowie die psychedelische Single ‚Two Ways Out‘ vom im August erschienenen Album 2. Man spielt Stück an Stück, ohne sich groß um den Saal zu kümmern. WILL CANZONERI an der Orgel, Bassist ROB BARBATO, der auch Songs singt, und Zweitgitarrist JARED EVERETT wirken nur konzentriert, arrangierte Brüche und Gitarren-Orgel-Wechselspiele bringen tanzbare Musik hervor. Schade, dass sich die Zuhörer davon nicht bewegen lassen.

Vermutlich infolge technischer Probleme müssen diese dann rund eine Stunde auf die Hauptband warten. Das Astra ist ausverkauft, und die Bühne wird in blaues Licht getaucht, als die WHITE LIES endlich antreten. HARRY MCVEIGH, Bassist CHARLES CAVE und der Co-Gitarrist sind in schwarz gekleidet, nur JACK BROWN trägt ein weißes Hemd, das sein knabenhaftes Aussehen noch betont. MCVEIGH ist froh, wieder in Berlin zu sein, wo er sich aktiver Fans sicher sein kann, und mit ‚Farewell To The Fairground‘ versichert er ihnen, dass da draußen vor der Tür eh kein Zuhause auf sie wartet und lädt sie ins Konzert.

Da sind die lauten Gitarrenakkorde vor Synthie-Schleiern, die Marschtrommeln und das klare Englisch des Sängers, an ‚Farewell To The Fairground‘ schließt sich das herrlich grollende ‚E.S.T.‘ an. MCVEIGH spornt die Zuschauer weiter an und findet bei ‚The Price To Love‘ schnell zum charakteristischen Pathos. JACK BROWN führt eindrucksvoll vor, wie bestimmend ein Schlagzeug sein kann.
Gerade zu diesem Gig ist die Lichtshow sehr passend eingesetzt. Für ‚Nothing To Give‘ steht MCVEIGH ganz allein mit seiner E-Gitarre in einem weißen Lichtkegel und beschwört das Gegenüber. Bei ‚Unfinished Business‘ ist es fast hell im Saal, denn im Song geht es trotz „the rain and the snow“ um Geborgenheit.

Im Zugabenteil wird neben dem TALKING HEADS-Cover ‚Heaven‘ zum Schluss, wie nicht anders zu erwarten, ‚Death‘ dageboten, viele sind wohl durch das dazugehörige Video mit seinen fotorealistisch anmutenden Szenen auf die WHITE LIES aufmerksam geworden. Auch ihr Musikstil sollte als Ausdruck gesehen werden, nicht als ein abgründiges Lebensgefühl.

www.myspace.com/whitelies
www.whitelies.com
www.myspace.com/darkermylove
www.darkermydudes.blogspot.com

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