Adam Green + The Pierces am 13.09.07 in der Schinkelhalle/Potsdam

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Mr. GREEN, der Vorzeigekauz der Antifolk-Bewegung wandelt auf befreiten Wegen. Seine Solotour kommt ganz ohne seine Ursprungsband THE MOLDY PEACHES und seine eigene Liveband aus. Am 13. September gastierte er in Potsdam.

Andächtiges Gemurmel liegt über der Schinkelhalle oder „Shincle Hall“, wie sie GREEN später tauft. Unter dem offenen Dachstuhl erstrecken sich lange Reihen Stühle, besetzt mit Menschen zwischen 11 und 51 (in etwa das Spektrum von GREENS Anhängerschaft). Die Atmosphäre ist sehr offiziell und gezwungen, sodass die paar Indie-Fans fast aus dem Rahmen fallen.

Den Support bestreiten zunächst die Schwestern Allison & Catherine Pierce von THE PIERCES, die im Juni ihr fabelhaftes, verspielt-glamouröses Album Thirteen Tales Of Love And Revenge veröffentlicht haben.
Auf der Akustikgitarre begleitet von ihrem alten Herrn PIERCE, lassen sie angenehmen, typisch amerikanischen Folk- und Indiepop erklingen, der nicht selten Assoziationen zu
Blumenkindergesängen (Nancy Sinatra) bis hin zu Westernsaloonmusik eröffnet. Die blonde CATHERINE PIERCE und die brünette ALLISON PIERCE ergänzen den Sound selbst mit Kleinstinstrumenten (Tamburin, Gitarre und Xylophon) und wissen Ohr und Auge absolut zu überzeugen.

Mit Herrn GREENS Ankunft nach der Pause kehrt ein Konzertklima ein, das für ihn, wie für das Publikum, ungewohnt ist. Allein mit der Klampfe auf der Bühne, spielt er nun reduzierte Versionen seiner Songs. Dabei lässt er das letzte Album Jacket Full Of Danger diesmal größtenteils außen vor und beschränkt sich fast ausschließlich auf älteres Material. Dass er nicht wie sonst über die Bühne tanzen kann und das Publikum auf den Plätzen weit von ihm entfernt ist, scheint ihm zu missfallen. Der Gute lockert die Atmosphäre mit etlichen Zoten und Witzen auf. Zudem zeigt er, dass er die Hits durchaus auf Sologitarrenebene herunterbrechen und damit experimentieren kann.

Man erfährt augenzwinkernd, dass er diese Tour natürlich nur für eine Live-DVD veranstaltet und erst kürzlich darüber unterrichtet wurde, dass Schinkel „a famous architect“ war, was er angesichts der schlichten Halle nicht ganz nachvollziehen kann.
Da er sich doch recht einsam auf der viel zu großen Bühne fühlt, holt er sich nach und nach zwei Handwerksburschen, einen weiblichen Fan, eine Künstlerin und THE PIERCES dazu, die mit ihm singen. Durch Bier und Humor verbessert sich seine Stimmung, und als sich ein kleines Mädchen traut, vor der Bühne zu tanzen, stellen sich doch ein paar Fans auf. Wie kann man auch bei Songs wie ‚Carolina‘ sitzen bleiben? Dadurch, dass er sich selbst nicht für zu wichtig hält, hat er es zum Schluss wieder mal geschafft, ein „Kulturevent“ in Kunstvergnügen zu verwandeln.

www.adamgreen.net
www.myspace.com/adamgreen1
www.thepiercesmusic.com
www.myspace.com/thepierces

Foto: © ADAM GREEN

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