Bergen International Festival 2017 | Sustain

POPTRAVEL. Unter diesem Namen berichten wir in unregelmäßigen Abständen vermehrt von unterwegs: Porträts, Interviews, Konzert- und Festivalberichte im berühmten Blick über den Tellerrand. Diesmal hat es uns ins norwegische Bergen gezogen – dem Eingang zu den Fjorden…

Das weit über die Landesgrenzen hinaus renommierte BERGEN INTERNATIONAL FESTIVAL hat sich in diesem Jahr der Identifikationssuche und -stiftung mittels crossmedialer Ausleuchtung verschrieben. Im Programm der zweiwöchigen, an etlichen übers Stadtzentrum verteilten Locations gehaltenen Festspiele stehen Veranstaltungen aus Oper und Film, Tanz und „contemporary circus“ – und natürlich Musik. Arrivierte Stars wie Pianist LANG LANG oder Komponist und Songwriter RUFUS WAINWRIGHT (der neben einer Solo-Show auch im Verbund mit Regisseur ROBERT WILSON und dem BERLINER ENSEMBLE Shakespeare’s Sonnette aufführt) finden sich darin ebenso wie junge, mutige Inszenierungen. Zwei solche haben wir uns auch für unseren viel zu kurzen Abstecher ausgesucht (zum zweiten Abend geht es hier)…

Was zur Hölle war das? Die im Programmheft unter der Rubrik „reckless and shrewd, experimenting and exploring“ noch zurückhaltend abgelegte Performance Sustain des Künstlerduos BODIL LUNDE RORTVEIT und JORN LAVOLL alias SAGN war nicht nur eine Weltpremiere per se – sie war auch in jeder anderen Hinsicht unerhört. Im jenseits des idyllischen Nygardsparken im Süden des Zentrums gelegenen, anno 1890 als eines der ersten größeren Industriegebäude Bergens erbauten Cornerteateret wurde das Publikum an fünf langen Tafeln platziert. Angerichtet in der Höhle des letzten Löwen: Plastikmüll in allen Formen und Farben, der auch von einer den Saal überragenden Baumskulptur aus Einkaufstüten und Wegwerfflaschen heruntergiftete. Der Soundtrack: ein Mix aus Techno und World-Pop, gebettet in ein irres Klangpanoptikum aus einer Vielzahl mit aller Schöpfungskraft aus dem letzten Schrott zusammengeschraubter Fantasieinstrumente (an den Percussions: TERJE ISUNGSET, der uns noch vom Ice Music Festival in Geilo vor wenigen Monaten in bester Erinnerung ist). Kurzum: ein krasser Karneval der unkompostierbaren Müllkulturen auf dem Friedhof der ölverschmierten Gummienten. Wahnsinn.

www.fib.no/en

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