
Das Nu-Style-Gabber-Duo BRUTALISMUS 3000 ist nicht nur technisch versiert, sondern auch fleißig: Nur drei Jahre nach ihrem Debüt und zwei Jahre nach der letzten EP bringen sie ihr nächstes Album namens Harmony an den Start. Ihre Fans wissen, was das heißt: Hier wird einem wieder ordentlich das Hirn durchgeblasen und krampfhaft der Körper durchgeshakt. Das meiste Co-Producing stammt von den Teams der BOYS NOISE und NOTINBED.
In „No Friends In The Company“ legt Shouterin VICTORIA VASSILIKI DALDAS sofort los mit ihren gebrüllten Parolen: „These towering bricks of something I tried to reach and consult them. But the noise it was constantly buzzing. So in the end all I learned, it was nothing.“ Freunde gäbe es nirgends. Von Feinden umzingelt zu sein, wähnt sich diese gar nicht mehr so unbekannte Elektroband und deutet damit an, dass sie nicht vorhat, in Intensität nachzulassen. Und das stellt dann Kollege THEO ZEITNER mit harten Noise-Angriffen und Durchdreh-Beats unter Beweis.
Doch auch Spaß können diese beiden: Rap und HipHop-Disko gibt es mit „A Milli“, das mit dem Original von Southern Rapper LIL WAYNE nur noch wenig zu tun hat. Krank und fetzig ist auch „Mother Bug“.
Fast schon kontrovers gestaltet sich „I Bring My Gun To The Function“: Daldas berichtet aus Sicht eines Terroristen: „Two buildings and weak constructions. I’m so good at false assumptions. I bring the sadness to the club, cause i got sadness in my heart: Big terror and mass destruction.“ Dazu sieht man im Musikvideo rohe Kiddy-Action mit Kindern, die mit Knarren Überfall spielen. Das ist gar nicht so lustig, wenn man an die Turbo-Radikalisierung von Teenies denkt, die heutzutage in den Sozialen Medien geschieht: Kids werden mit gezielter Ideologie zu Extremisten und Kindersoldaten aufgeputscht.
BRUTALISMUS 3000 wollten ihren Hörern auch immer was zum Denken in den Kopf hämmern. Der coole Track „Testo Skin Part 1“ mit Kinderchor zeigt im Musikvideo Werbung und Begehung einer Eigentumsvilla. Während sich das Indie-Duo DAS LUMPENPACK für „Dolce Wohnen“ tatsächlich in ein solches Objekt einschleuste, ist es hier als Kulisse eines mysteriösen Dramas zu sehen.
„Kairo“ könnte man als Versuch des Duos beschreiben, Dreampop in ihrer Weise zu interpretieren: Übersteuerte Vocals und zerstückelte Synthie-Parts. Auch „Morning Is For The Happy“ mit einem Monolog von Schauspielerin Anya Taylor-Joy lässt sich eher als Elektropop beschreiben. „You Were Never Really Here But I Miss Ya“ wiederum ist eine Art Frauen-Trap mit ordentlich Beats.
Die britische Technogruppe UNDERWORLD gibt sich in „Friends At The Pigshed“ die Ehre, was als Shoutback in die 90s durchgeht. „Leonard Cohen“ hat dann aber nicht wirklich LEONARD COHEN-Vibes, wie behauptet. Man merkt aber, dass sich das Duo ausprobiert und seinen Sound in verschiedene Richtungen öffnen will. Es soll ja nicht langweilig werden.
Brutalismus 3000
Harmony
(Live From Earth/Columbia Records)
VÖ: 26.06.2026