In Love With A Ghost – Discography 2015/2016

Okay, Triggerwarnung: Wer keinerlei Affinität zur bunten Welt japanischer Animes hat, dem wird auch das französische Projekt IN LOVE WITH A GHOST auf die Nerven gehen. Wer jedoch den typischen Niedlichkeitsexzess gewohnt ist, der darf aufhorchen. Aber keine Angst: Die aktuelle Werkschau birgt keinen J-Pop, sondern den süßesten und chilligsten Elektropop, den man sich denken kann.

Viel ist nicht bekannt über den Pariser Anime-Fan, der mit reichlich anderen Musikern, Designern und Mangaka zusammenarbeitet. Seine EP Let’s Go vom März erschien beim slowakischen Label Z Tapes Records.

Neue Tracks wie „Nothing“ zeigen, dass er mit Beats umgehen kann und seine Herkunft aus dem Lofi-HipHop, wie ihn etwa der DJ OUDIES betreibt. Indietronics sind ihm auch nicht fremd („We’ll Be Together“). Vor allem aber liebt er, wie mit leichten Pianomelodien (wie bei „Can I Be Your Internet Crush„) Stimmung erzeugt wird. Entweder entnimmt er all seine Musik- und Voice-Samples bestehenden Anime oder er bereitet sie dafür vor. Nur wenige Tracks rüstet er mit Frauengesang auf.

Seine putzige Bildsprache erscheint Mangafans auch geläufig: So werden in „Don’t Cry Kate“ Skype-Gespräche mit Tropfen verglichen, die in die glatte Wasserfläche des Alltags fallen und in „Comet“ wird der Tagtraum eines Kindergartenkindes auf dem Dreirad vertont. Kawaii!

Etwas, was nur auf den ersten Blick niedlich ist, ist die klischeehafte Darstellung von Frauen („The Pink Haired Girl“, „Good Morning“): Da ist die Faszination von wenn auch etwas tollpatschigen Mädchen, die fleißig und folgsam ihre Hausarbeit machen – Zeichen für die patriarchale, japanische Gesellschaft, die nie von einem 1968 erschüttert wurde.

Anyway, dieser Sound dürfte Kinder wie Jugendliche ins Herz treffen und den Macher als Vertoner von neuen Anime ins Gespräch bringen.

 

In Love With A Ghost
Discography 2015/2016
(Selbstvertrieb)
VÖ: 25.05.2016

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