In Love With A Ghost – Healing

IN LOVE WITH A GHOST, der Pariser Künstler mit Hang zur Anime-Ästhetik, ist zurück. Hatte er auf seinem letztjährigen Album mit Tracks wie „We’ll Be Together“ bereits mit typischen Manga-Charakteren, Keyboard und Lofi-Synthies für Musik und Stimmen herumexperimentiert, veröffentlicht er jetzt ein Konzeptalbum, das komplett aus dem Gameboy zu stammen scheint. Ähnlich wie bei seiner Kollegin von SNAIL’S HOUSE (UJICO*) bedient er sich hier einer Art typisch japanischen Form von Dungeon Synth.

Seine mit putzigem Videogame-Sound untermalte Geschichte lädt die Zuhörer geradezu ein, sich Fanfictions auszumalen und Bilder zu malen: Da ist das einsame Subjekt, das offensichtlich eine Verkörperung des Machers ist. Es trifft die freundliche Hexe Memu („I Was Feeling Down Then I Found A Nice Witch And Now We’re Best Friends“) und das queere Pärchen Azerty und Qwerty („Welcome At Azerty And Qwerty’s Home“). Sie erleben gemeinsam Abenteuer, bei denen das Subjekt wieder Selbstbewusstsein gewinnt („Am I A Girl? Am I A Boy? Do I Really Care? I’m Hungry Anyway“).

Wer sich nun fragt, was einem an solch „Kinderkram“ in postmoderner Schlaffheit reizen soll, der kennt die Manga-Szene nicht. Neue Lebens- und Liebesformen werden hier als frei verfügbare Utopien behandelt. Zwar hat dieser Eskapismus nichts mit politischer Aktivität zu tun, bietet aber gerade Jugendlichen die Möglichkeit, eigene und andere Identitäten zu entwickeln. Ihre Sehnsucht nach Freundschaft und Liebe schlägt in Form von imaginären Bildern die symbolische Ordnung. Und In Love With A Ghost macht nichts anderes im musikalischen Sinne. Insofern hat dieses seltsame Album tatsächlich seine Nische.

 

In Love With A Ghost
Healing
(Z Tapes Records)
VÖ: 07.04.2017

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