Kane Parsons & Edo Van Breemen – Backrooms (Original Soundtrack)

Was für ein Karrierestart! Mit 10 Jahren begann Kane Parsons aka KANE PIXELS 2015 seinen Youtube-Kanal. 2022 landete er mit dem computeranimierten Kurzfilm The Backrooms einen Internethit, den er aus einer Creepypasta aufgebaut hatte. Es folgte eine Webserie bis 2025, aus der nun ein Kinofilm wurde, der Parsons mit 20 zum jüngsten Regisseur der Leinwandgeschichte überhaupt macht. Außerdem ist er als Musiker unterwegs: Unter seinen bisher 12 Alben sind drei Backrooms-Scores. Er ist mit diesem Liminalcore auch Vorbild für viele andere Producer. Den diesjährigen Soundtrack zum gleichnamigen Film hat er zusammen mit dem kanadischen Komponisten EDO VAN BREEMEN aufgenommen.

Wer den Horrorfilm sieht, wird zunächst von seinen merkwürdigen Räumen und Gegenstandsarrangements in den Bann gezogen. Auf der inhaltlichen Ebene drängt sich der Vergleich zu Silent Hill auf: Das verfluchte Dorf Silent Hill war bereits sowohl in der Realität wie auch in einer Ascheregen- und einer Höllenversion vorhanden. Es materialisierte Ängste seiner Protagonisten als Monster und Bedürfnisse als Fake-Menschen. Gleiches geschieht ebenso in der Lagerraum-Dimension von Backrooms. Die scheinbar sinnlosen Räume sind nicht nur schlechte Kopien realer Orte, sondern erinnern wiederum an die unendlichen Treppen in Inception (2010). Hier lässt sich das Unbewusste tatsächlich betreten.

Das Album beginnt in „Handprint“ mit einer merkwürdigen Elektro-Akkordfolge im Lofi-Stil. Im Film reflektiert währenddessen eine Therapeutin über ihre Kindheit. Die Melodie geht dann in ein flirrendes Melodiengewirr auf, das fast fröhlich klimpert. Die eigenartige Mischung aus vertraut-unspektakulär und unheimlich schräg passt zu den surrealistischen Bildern des Films. Parsons hat das perfektioniert, wie verschiedene Titel (z.B. „Furniture Lament“) unterstreichen.

„People In San Jose“ ist ein bedrohlich ruhiges Stück, das dann in trip-hoppige Klänge übergeht. Für Silent Hill hatte Producer AKIRA YAMAOKA immer stark auf Trip-Hop gesetzt. Auch sphärische Ambient-Tracks wie „Local Network“ oder „The Untrained Mind“ würden gut in das Game passen.

„Pirate Shanty“ ist ein Geigenfolk für die Hafenspelunke. Wie es in diesen Soundtrack geraten ist? Weil der Protagonist sich für Werbespots als Pirat verkleidet. Auch ein Werbejingle in Form eines Bossanovas ist zu hören („Cafe Bossa v1“). „Old Home Not Yet Build“ klingt wie Werbemusik für die Lagerraum-Dimension.

Richtige Horrorfilm-Akustik mit enervierenden Sounds und bedrohlichen Geräuschen kriegt man mit „Quiet Wall In Dark Room“ oder auch „Layout Extrapolation“ und „Complex“. Solche Tracks sind nicht hintergründig genug, sodass der Hörer sich im Kinosaal fragt, ob sie zur Handlung gehören oder nur zum Film. Die Ambient-Elemente konkurrieren hier mit dem Surren von Lampen und Klima-Anlagen. Eine Ausnahme sind freilich die absoluten Horrorklassiker: quietschende Violinen („Wired“). Es ist ein erstklassiger Soundtrack entstanden, den man auch hören kann, ohne sich zu Gruseln.

 

Backrooms (Original Soundtrack)
(Virgin Music/A24 Music)
VÖ: 29.05.26

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