
MUSE sind und bleiben speziell: Einerseits neben RADIOHEAD die Erneuerer des Britpop, New Prog-Meister. Andererseits teilweise weniger Künstler als Kitsch- und Cringe-Produzenten. Egal wie man zu ihnen steht, muss man doch Ehrerbietung ableisten angesichts ihres monströsen Outputs. Vier Jahre nach Will Of The People geht es jetzt ins All, um statt Gesellschaftsanalyse spacige Liebeshymnen aufzuführen.
„The Dark Forest“ startet mal gleich als fünfminütige Elektro-Rockoper – cineastisch durchkomponiert wie bei einem Hollywood-Epos, mit einem gelassen-leidenschaftlichen MATT BELLAMY am Mikro sowie einem Sinfonieorchester und einem Chor, der lateinische Phrasen ruft. Die Mumie (1999) klang nie schöner.
Wer auf faszinierende Popsongs hofft, muss nicht lange warten. Die Dance-Nummer „Nightshift Superstar“ ruft die 80s-Nostalgie der letzten beiden Alben wieder auf. Jepp, das klingt nach Spaß beim Produzieren. Ruhig am Piano („Shimmering Scars“) oder an der Orgel („Be With You“) kann Bellamy natürlich auch seine Liebe ausagieren. Die große Popgeste liebt er einfach, ähnlich wie etwa DANIEL BELLQVIST von ESKOBAR.
So, wenn die Pophörer abgefrühstückt sind, macht sich die Band an die echte Mucke: „Cryogen“ ist ein – für Muse-Verhältnisse – schon härterer Rocker, „Hexagons“ ein typisch ausgedehntes Elektrostück, das sich gegen Ende brachial in Heavy Metal auflöst. Ein wenig crazy und sexy darf es aber auch immer mal sein. Hier ist es der halbe Metall-Track „The Sickness In You & I“ mit dem hohen „Freak, freak, freak!“. Ein Wenig vorhersehbar ist dagegen „Hush“ mit Singer-Songwriterin ELLIE GOULDING geraten.
Okay, The Wow! Signal ist sicher nicht eines der wichtigen oder komplexen Muse-Alben. Aber es macht Bock auf Tanzen und Schwelgen und holt die riesige Fanbase aus verschiedensten Lagern wieder zusammen. Für sie bleiben Muse immer noch cooler als SLEEP TOKEN. Was will man mehr?
Muse
The Wow! Signal
(Warner Music International)
VÖ: 26.06.2026
Live
18.11.26, Berlin, Uber Arena
24.11.26, Düsseldorf, PSD Bank Dome
25.11.26, Düsseldorf, PSD Bank Dome