Neues Jahr für Metoo

#Metoo hat die Kulturwelt auf den Kopf gestellt. Die feministische Bewegung und ihre Auswirkungen haben im Gegensatz zu anderen sozialen Bewegungen in der Pandemie keine Pause eingelegt. Alte und neue Täter werden gefunden und vor Gericht gebracht. Wer Musiker jetzt mit der Brille „Sexismus“ betrachtet, dem fallen immer neue Ungereimtheiten auf.

Bitter für den Musikjournalismus ist die Erkenntnis, wenn sie Künstler betrifft, die man selbst supportet hat. So schrieb Popmonitor im Januar 2018 gerade an einer Rezension zu dem Album Me & My Ego von Indierocker ALEX AMSTERDAM, als dieser zu einer Geld- und einer 15 Monate langen Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Er hatte heimlich einen offenbar einvernehmlichen Sex mit einem jungen Fan gefilmt und auf eine Porno-Plattform hochgeladen.

Neben dieser Tat wirkt das, was Schockrocker MARILYN MANSON vorgeworfen wird, monströs. Inzwischen beschuldigen ihn mindestens 15 Frauen (darunter Evan Rachel Wood und Esmé Bianco) wegen Vergewaltigung, schweren Missbrauchs, Körperverletzung, psychischer Gewalt und weiterer Vergehen. Die Vorwürfe werden u.a. im neuen Dokumentarfilm Phoenix Rising erhoben. Während sich Loma Vista Recordings von Manson trennte, nahm Rapper KANYE WEST (YE) mit ihm zusammen das Album Donda auf, das im letzten Jahr problemlos auf Platz 1 in den USA und auf Platz 4 in Deutschland kam. In der Vergangenheit hatte Manson zudem immer wieder mit seiner sexuellen Aktivität geprahlt, wie etwa als er sich mit einem bewaffneten Amor verglich („Cupid Carries A Gun“).

Dass auch große und mächtige Täter vor Gericht gebracht werden können, beweisen die Fälle R.KELLY und Jeffrey Epstein. Während sich letzterer seiner Strafe durch Selbstmord entzog, versucht sich seine Komplizin Ghislaine Maxwell gerade mit der Preisgabe mehrerer Täternamen eine bessere Position zu erkaufen. Davor zittert etwa Prinz Andrew aus Großbritannien. Bei dem Prozess geht es um die Zwangsprostitution mehrerer Mädchen und junger Frauen.

Der nächste Megastar, der vor Gericht steht, ist erneut R’n’B-Sänger CHRIS BROWN. Nachdem er 2009 bereits dafür verurteilt worden war, RIHANNA verprügelt zu haben, wird ihm jetzt eine Vergewaltigung auf der Jacht von DIDDY vorgeworfen.

Das Metoo im Deutschrap kann bereits auf zwei Prozesse verweisen: Vor zwei Jahren wurde in Hamburg der Rapper FAMO wegen Vergewaltigung einer 27-Jährigen und der sexuellen Nötigung einer 14-Jährigen zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Aktuell steht der Gangsterrapper KAMBO SLICE in Düsseldorf vor Gericht. Ihm wird Zuhälterei, Vergewaltigung, Zwangsprostitution in sechs Fällen, Körperverletzung, Beleidigung, Drogenhandel und sexuellen Missbrauch von Jugendlichen vorgeworfen.

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