Oliver Gottwald | 16.12.16 | Berlin

Oliver Gottwald

OLIVER GOTTWALD, der deutsche Indiepop-Darling, gab sich am kühlen 16. Dezember 2016 die Ehre im Auster Club unter der Kreuzburger Markthalle Neun. Gerade mal rund 40 Zuschauer waren vor Ort, bei einem Sänger, der als Frontmann von ANAJO problemlos den alten Magneten oder das Lido füllte. Sein Publikum hat sich gewandelt.

Klar sind auch treue Anhänger darunter, wie sein alter WG-Mitbewohner ROMAN FISCHER. Doch die meisten Anwesenden sind deutlich älter als seine damaligen Fans und scheinen nicht mal Anajo-Hits wie „Franzi + 2“ zu kennen, die er gerne rausholt. Selbst die uralte Demo „Menschen“ hat er dabei, mit dem er die Leute überrascht. Was ist passiert?

Liegt es an seinem letztjährigen Solo-Album Zurück Als Tourist, das für alte Fans zu lahm dahinplätscherte? Seine aktuelle Single „Mustangmann“, die die „Lieblingslieder-Tour“ für das nächste Album einleitet, weist musikalisch eher zurück auf Anajo, lyrisch heißt es da aber: „Max Mustermann aus Musterstadt hat die alten starren Muster satt“.

Oder soll man behaupten, die deutsche Indiepop-Bewegung ist vorbei, weil sie ihren Dienst erfüllt hat? Soll etwa Herzbube „Olli Gotti“ ein Vorreiter für langweilige Spießbürger wie TIM BENDZKO sein? Auf keinen Fall! Das hat die von FLER ausgerufene „zweite Neue Deutsche Welle“ Mitte der 2000er beschert, bei der Deutschpop für die Masse produziert wurde. Die parallel ackernden Indiepopper aus Augsburg und Berlin können eher als ironisches Zitat zu dem gesamten JULIMOND-Haufen gelten.

Der ewig junge Gottwald weiß zum Glück, von wem er sich fernhalten sollte („Alter Ego“) und macht weiterhin sein Ding. Recht so. Und wenn er wieder ein paar Burner schreibt, klappt’s auch mit den alten Fans.

www.olivergottwald.de

Bild: © Marco Petz

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