Phoebe Bridgers – Lost Weekend

Die Indiesängerin PHOEBE BRIDGERS hat es spätestens mit ihrem Zweitling Punisher (2020) geschafft, sich zu etablieren, obwohl dieses Album experimentierfreudiger war als sein Vorgänger. Auch mit ihrem Sideproject BOYGENIUS hatte sie Erfolge zu verzeichnen. Sie will auf dieser Erfolgsspur bleiben. Darum setzt sie nicht nur auf die bewährten Produzenten Tony Berg und ETHAN GRUSKA (THE BELLE BRIGADE) sondern auch auf JACK ANTONOFF (BLEACHERS) und ALEX G an den Reglern.

Der Auftakt „The Outside“ startet mit einer neuen Idee. Statt ihre traurige Stimme zu erheben, lässt sie diese durch den Robotervocoder verzerren. Dann der erwartete traurige Gesang zu einem einhüllenden Klavier. Im Ambient-Nebel schwimmt auch mal die Akustikgitarre vorbei. Hier verarbeitet sie den Tod ihres Vaters, wie einst DIDO auf „The Day Before The Day“ den Tod des ihren. Doch während Dido hier den Tränen nah war, klingt Phoebe wie jemand, der keine mehr hat.

„Lost Boys“ macht dann den Job, die alten Fans eines ehrlichen Indiepop mitzunehmen. Hier schüttelt sie easy einen tollen Refrain aus dem Ärmel und Antonoff kann seine Vorliebe für Trompeten verwirklichen, hier durch NATE WALCOTT. Und wer ist im Whoohoohoo-Chor im Hintergrund? Natürlich die Kolleginnen von Boygenius. Inhaltlich geht’s wieder auch um Deutschland: Schon im apokalyptischen Endtrack von Punisher „I Know The End“ hatte sie von einem Ausflug hierher erzählt. Nun wird es noch konkreter: „That one time in East Berlin whеn you threw a tantrum with a 57 and broke a rib. You told me you wish you wеre dead.“ Im Musikvideo spielt Phoebe übrigens eine Prinzessin, die sich an einen Ritter klammert, ähnlich wie GRIMES in „Player Of Games“.

Natürlich sind auch wieder die Ex-Boyfriend-Stories dabei. Der Singer/Songwriter „The Governer’s Waltz“ verbindet ganz zarte Gitarre und Frauenchöre wie in einem Gruselfilm. Und im Text wird’s wieder mal unangenehm für den Kerl: „So let’s see how long we can go without talking. Watch me pretending to sleep. I’m next to you, you’re next to nothing. You promised that you’d never leave, but maybe you’ll do it for me.“ Noch trauriger ist „Other Plans“. Die Indiepopsongs „Bobby“ und „Liberty Tree“ sind dann die glückliche Befreiung dank neuem Boyfriend mit Banjo und 90s-E-Gitarre: „Don’t die, Bobby, before I die. It feels so good to have you in my life.“

Das kann sie eben alles. Damit es ihr und uns nicht langweilig wird, werden zum Beispiel auf dem Titelstück jetzt auch mal wilde Elektroparts eingesetzt. „Panorama“ spielt mit Ambient und Dissonanz und „Haunted“ schließt an den Countryfolk „Graceland Too“ des Vorgängers an. Kollege CONOR OBERST (BRIGHT EYES) von BETTER OBLIVION COMMUNITY CENTER spielt übrigens auf „I Can’t Wait“ die Mundharmonika und singt wieder mit.

Mit 15 Tracks ist das Album vielleicht ein Bisschen zu lang geworden. Doch Phoebe macht nach wie vor Wunder wahr, wie sie in „As Above“ selbst betont. Sie weiß einfach, was sie kann.

 

Phoebe Bridgers
Lost Weekend
(Dead Oceans)
VÖ: 14.08.2026

www.phoebebridgers.com

Live

08.12.26, Düsseldorf, PSD Bank Dome
09.12.26, Berlin, Velodrom

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