
Limited Indie Exclusive Edition? Eine der weltweit erfolgreichsten Streaming-Serien mit massiven Einschlag in die Popkultur soll irgendwie „Indie“ sein? Schon bei den Vorgänger-Staffeln und v.a. Staffel 4 wurde Popmusik als unabdingbar für die Story eingeführt und Nerdkultur nostalgisch zelebriert. Nun, da die Kids und ihr Publikum erwachsen sind, wird es Zeit für die Frage, wie alternativ sie und ihr Soundtrack denn sind, wenn sie die 80er doch derart in den Mainstream geführt haben.
Ende November letzten Jahres kam die 5. und letzte Staffel von Stranger Things online auf Netflix, die 8. und letzte Episode an Silvester. Man merkte die Mühe der Duffer-Brüder, die Handlungsfäden der viel zu vielen Figuren irgendwie logisch an ein Ende zu führen. Die Kids und ihre Familien treten nicht nur gegen Vecna aka Henry Creel aka Eins aka Mr. Wasdenn aka das erste Werkzeug des Mind Flayers an, sondern auch gegen das Militär. Sie sind aber selbst im Laufe der Zeit zu einer Einsatztruppe verschmolzen. Für diese Entschlossenheit stehen Songs wie „The Trooper“ von IRON MAIDEN, „Heroes“ von DAVID BOWIE und „Human Cannonball“ von den BUTTHOLE SURFERS.
Ein Crewmitglied ist gar zur DJane von Hawkins geworden: Robin Buckley nennt sich sogar „Rockin‘ Robin“ (MICHAEL JACKSON). Sie führt den Indierock in Hawkins offiziell ein und sorgt für eine Art progressiven Mainstream (PIXIES – „Here Comes Your Man“).
Dass Nerdkultur weitergegeben werden kann, dafür steht die ganze Serie. So kam KATE BUSHs „Running Up That Hill (A Deal with God)“ zurück in die Charts, als der Song in der 4. Staffel prominent als persönliches Leitmotiv von Max Mayfield platziert wurde. Entsprechend kehrt es auch in dieser Staffel zurück, taucht aber nicht in der Compilation auf. Stattdessen ist jetzt „I Think We’re Alone Now“ von TIFFANY zu hören, als Leitmotiv von Mikes jüngerer Schwester Holly Wheeler (Nell Fisher), die sich zur neuen Hauptfigur mausert. Der Song ist clever gewählt: Zum einen weist der Song vom Poprock der 80er vorweg in den HipHop der 90er Jahre, denn Holly und die Kinder um sie sind die Generation, an die der Staffelstab der Kulturträger am Ende übergeben wird. Zum anderen war „I Think We’re Alone Now“ von 1987 ein Cover des Originals von TOMMY JAMENS AND THE SHONDELLS von 1967. Die Weitergabe von Popkultur wird hier greifbar.
Die jüngeren Kinder werden in eine Traumwelt, bestehend aus Henrys Erinnerungen gezogen. Diese spielt in den 50ern (THE CHORDETTES – „Mr. Sandman“, THE CHORDS – „Sh-boom“), was natürlich als Anspielung auf Zurück in die Zukunft (1985) zu verstehen ist.
Dass viele Fans mit der 5. Staffel und der finalen 8. Episode unzufrieden waren und sich eine auflösende 9. Episode erträumten („Conformity Gate“), ist ein ähnlicher Coping Mechanism, wie wenn Mike sich am Ende eine Erklärung ausdenkt, weshalb Elf aka Jane überlebt haben könnte (COWBOY JUNKIES – „Sweet Jane“): Sie wollen nicht loslassen. Die 80er Jahre sind ihre erste Liebe, weshalb es Stranger Things wohl einfach geben musste. Ähnlich wie bei Es. Kapitel 2 (2017) wurde auch am Ende von Stranger Things aus der 80er-Retromanie die Nostalgie für die Serie selbst. Ist das nun Regression oder Treue? Ein Angebot der Macher fürs Weitergucken, ist das Animations-Spin-off Stranger Things: Tales From ’85, das am 23. April auf Netflix startet.
Stranger Things 5 (Soundtrack From The Netflix Series) (Limited Indie Exclusive Edition)
(Sony Music Entertainment)
VÖ: 30.01.2026
Soundtrack auf Spotify