The High Hats am 10.07.2008 im Wild At Heart

Die HIGH HATS aus Schweden hatten sich für den 10. Juli angesagt, ihre Feier-Packung über das Wild At Heart zu ergießen. Die Band, die von ihrem Label als „one of Swedens hottest pop-punk act“ gefeiert wird, ist am fraglichen Abend auch pünktlich zur Stelle, um nicht nur dem Verfasser ein Interview zu geben (siehe unten), sondern auch, um ihren holländischen Kollegen LONG WAY DOWN moralische Unterstützung zu geben.


Long Way Down

Kurz vor elf Uhr abends bauen die jungen Herren der Vorband ihr Set im düsteren Ambiente des Punkerschuppens auf. Dass ihnen nicht mal zehn Zuschauer (darunter THE HIGH HATS) gegenüber stehen, ist ungerecht.
Der Fünfer hat sich 2006 gegründet, Anfang letzten Jahres das erste Demo A Second Home bei Dead Goldfish Records veröffentlicht und sich dieses Jahr auf Tour begeben. Sie wecken optisch wie akustisch Erinnerungen an die Funpunk-Bands um die Jahrtausendwende. Sänger LEON hat mit dem Mikro die Bühne verlassen und erzählt Lyrics voller Einsamkeit und Missverständnisse, während seine Kollegen samt Gitarren über die Bühne springen.

Als die wilden Vier der Hauptband dann nach ihren Instrumenten greifen, haben sich endlich über dreißig Leute eingefunden. Der blonde Nr.1-Sympath MAGNUS, Sänger der HIGH HATS, brüllt den Gästen den ersten Song des Debüts , ‚I overdid it‘, entgegen. Der Kerl rast und wirbelt durch die Fans, schlägt sich mit dem Tamburin und knackt so binnen eines Songs das Eis.

Angeheitert und ausgelassen spielt sich die Band warm, und man ist sich sofort sicher, dass diese Typen selbst Spaß an ihrer Musik haben. Es wird mitgegrölt, losgeholzt und das Publikum zum Mitmachen aufgeheizt. Dazu hämmert der über und über tätowierte Schlagzeuger Kristian auf seine Drums ein. Das funktioniert bestens. Ihr erstes Deutschland-Konzert überhaupt, das Song um Song nicht die Party-Punk-Mischung verlässt, kommt sowohl bei Berlinern wie Dänen im Publikum an.

Doch auch Rausch kann schlauchen, und so witzelt MAGNUS, als wieder um Zugabe gerufen wird, dass man doch als alte, fette Typen nicht ewig spielen könne, auch wenn man wollte. Als eine Zugabe hat sich die Band ‚Holiday Road‘ von LINDSEY BUCKINGHAM herausgesucht und aufpoliert. „Ihr wisst schon, aus dem Film mit Chevy Chase.“ Und richtig, sobald der Refrain kommt, singt alles mit.

Interview mit THE HIGH HATS, 10. Juli 2008 im TIKI HEART Shop

Nach kurzem Schwätzchen mit ihrem Support LONG WAY DOWN treffe ich die HIGH HATS am Tresen bei einem schönen Weißbier. Der fröhliche Vierer aus Borås lässt sich nicht lange bitten. Nachdem sie im April ihr Debüt veröffentlichten, sind sie am Abend des 10. Juli im Rahmen ihrer auch fünf Deutschlandkonzerte umfassenden Europatour zum Auftakt in Berlin.

popmonitor.berlin: Wie oft wart ihr schon in Deutschland?
THE HIGH HATS/Magnus: Als Band waren wir schon einmal in Deutschland. Wir haben in Chemnitz gespielt. In den Ferien war ich, denk ich, schon 10 mal hier. Und du Johan?
Johan: Ich war schon zweimal hier, in Frankfurt auf einer Musikmesse.
Magnus: Wo es, du weißt schon, all das neue coole Zeug gibt! (An Tobias) Und du?
Tobias: Mit meiner Familie, glaub ich, zwei mal.

Und was hältst du von Berlin?
Tobias: Ich glaub, das ist die Hauptstadt Europas.

Wann seid ihr angekommen? Habt ihr euch hier schon umgesehen?
Magnus: Wir kamen gestern abend an. Heute morgen sind wir schon hier in der Gegend (Kreuzberg) spazieren gegangen. Unser Drummer war auch schon mal hier, um SOCIAL DISTORTION zu sehen und wie er es nennt, Party zu machen. Es mag eine harte Gegend sein. Aber ich find’s nicht hart hier. Ich find’s nett.

In vielen Verlautbarungen werdet ihr gesanglich mit den BEACH BOYS verglichen. Seid ihr wirklich von ihnen inspiriert?
Magnus: Nein, wir hören die BEACH BOYS nicht oft, wir sind nur auch drei Sänger. Ich liebe die BEACH BOYS auch nicht wirklich. Aber kennst du z.B. ‚God only knows‘? Das ist ein guter Song. Und schau mal: Die große Band THE RAMONES wurde von den BEACH BOYS inspiriert. Du kannst eine Menge 60er Jahre Songs nehmen, ihre Geschwindigkeit erhöhen und Verzerrung in die Gitarren legen und du hast THE RAMONES.

Hier in Deutschland würde man eure Musik in etwa mit Pop-Punk umschreiben. Denkst du in solchen Konzepten, wenn du die Songs schreibst?
Magnus: Wenn du Musik in Genres einteilst, begrenzt du deine Musik. Ich glaube, wir spielen, was wir wollen.

Wie würdest du eure Musik nennen?
Magnus: (Zieht auf Schwedisch einen Vergleich zu einer Band und lacht.) Wir sind beeinflusst von vielen Dingen. Verzerrte Popmusik vielleicht. Pop mit Verzerrung.

Wie kam es zu der Idee, zusammen in einer Band zu spielen?
Tobias: Ich und Kristian sind zusammen aufgewachsen. Und wir haben zusammen Fußball gespielt und geübt. Wir waren 12/11. Dann haben wir ihn (Johan) getroffen.

Wart ihr in der selben Klasse?
Johan: Nein, das war komplizierter.
Magnus: Und Tobias und Kristian haben zusammen in einer Crust Band gespielt.
Tobias: Eine Crust Punk Band, ja. SPRÄNGD ANKA.
Magnus: Wir haben über 10 Jahre in verschiedenen Bands gespielt. Tobias‘ Band hat drei Jahre existiert.

Wir haben uns gefragt, wer das auf dem Cover von eurem neuen Album ist – eine Frau oder ein Mann?
Tobias: Wir haben keine Ahnung.
Magnus: Ein Transsexueller vielleicht (lacht.) Wir wissen das nicht.

Warum wisst ihr nicht, was auf eurem Cover ist?
Magnus: Wir haben dem Typ, der das Cover designt hat, gesagt, wie wir es haben wollen. Wir mögen die alten klassischen Jazzlabels. Kennst du Blue Notes? Er hat‘s so gemacht und wir fanden es gut.
Also bestimmt ihr über das Artwork?
Magnus: Ja, natürlich. Das sind alles unsere Ideen. Aber wir designen so was nicht.

Habt ihr vor, eure Musik in Zukunft zu verändern und härteren Punk Rock zu machen?
Johan: Nicht bei den HIGH HATS. Aber ich hab ein Sideproject, das ich INFARKT nenne. Das ist so was wie Crust Punk, aber ich würde es nicht so nennen. Es ist mehr Hardcore als Crust Punk. In Schweden nennen wir so was „Swing Punk“. Aber ich weiß nicht, ob die THE HIGH HATS härter werden.
Magnus: Vielseitiger, nicht härter. Aber mehr beeinflusst von anderen Genres vielleicht.

Danke für das Interview.

www.myspace.com/highhats
www.myspace.com/longwaydowns
www.longwaydown.nl

Fotos: Alex Fischer

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