Verschwörungspop – die Zweite

Vor drei Jahren konnte man noch der Hoffnung sein, dass mit den unsäglichen „Montagsmahnwachen für den Frieden“ auch die sogenannten Inforapper wieder verschwinden würden und überhaupt Verschwörungsideologie in Popsongs. Leider waren diese Propagandisten gerade im Deutschrap schon damals nicht allein. Warum nur?

Das zentralste Motiv scheint der ewige Nahostkonflikt zu sein, der etwa bei der alljährlichen Al-Quds-Demonstration in Berlin oder auch bei den Kundgebungen von Trumps Jerusalem-Position 2017 deutschlandweit dazu genutzt wurde, Antizionismus mit Antisemitismus zu vermengen. Dass gerade Migranten unter den Deutschrappern in diese Falle tappen, soll anhand ein paar Beispielen gezeigt werden.

Beim Thema Antisemitismus wird seit langem von den Medien HAFTBEFEHL genannt, der früher das Judentum verfluchte („Mama reich mir deine Hand“) und Juden an der Frankfurter Börse verortete („Psst!“), wovon er sich jedoch inzwischen distanziert hat. Im Track „Free Palestina“ wurde er 2010 noch deutlicher: Hier rief er zum Boykott gegen Israel samt Lügenpresse-Vorwurf auf. Auch die üblichen Verdächtigen aller Verschwörungstheoretiker („Rothschild“, „Rockefeller“) ließ er im Track „Haram Para“ (2014) nicht aus. Die damalige Kritik muss wohl dafür gesorgt haben, dass Haftbefehl nicht bei Montagsdemos auftrat.

Jemand, der sich völlig im Montagsdemo-Dickicht verfangen hat, ist der linke Rapper KAVEH. Als gelernter Anti-Imperialist bekämpfte er zusammen mit THAWRA mit „Antideutsche/Tahya Falastin“ sowohl Israel als auch Linke, die dies seiner Meinung nach nicht tun. Während er lediglich Kritik für seine Mitarbeit an dem Song einstecken musste, wurde die neben ihm im dazugehörigen Video auftauchende Politikwissenschaftlerin Eleonora Roldán Mendívil 2017 fast von der Freien Universität Berlin geworfen. Dass Kaveh keine Scheu vor Verschwörungsideologen hat, bewies er durch Interviews mit den berüchtigten Medien Russia Today und KenFM. Zudem brachte er 2016  den Titel „Es Ist An Der Zeit“ heraus mit der Sängerin MORGAINE, die schon die Inforapper von DIE BANDBREITE und KILEZ MORE gefeatured hatte („Alles Bleibt Gleich“).

Weitaus weniger Ahnung von politischen Fallstricken durfte man FARD und SNAGA unterstellen, als diese 2014 ebenfalls eine Art Pro-Palästina-Song namens „Contraband“ veröffentlichten. Hier wurde gleichfalls primitiv gegen Netanjahu, Tel Aviv und die USA gerappt, und weil auch „Bilderberger, Volksverräter, Hintermänner“ genannt wurden, lässt sich der verschwörungsideologische Zusammenhang kaum leugnen.

Insgesamt ist gerade migrantisch-stämmigen HipHoppern zu raten, sich in demokratischen Medien über die Welt zu informieren. Wie leicht man antisemitische Überlegungen auch gegen Flüchtlinge, Muslime und Migranten wenden kann, haben verschwörungsideologische Medien in den letzten Jahren bewiesen. So wurde etwa dem Milliardär George Soros, der jüdische Vorfahren hat, unterstellt, er hätte die Flüchtlingskrise mitbewirkt.

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